Soll der Sexkauf verboten werden wie etwa in Schweden? Oder soll Prostitution besser enttabuisiert werden? Lesen Sie dazu auch Leni Breymaiers ausführliches Plädoyer für ein Verbot und Kristina Marlens Text gegen die Stigmatisierung der Sexarbeit.
DIE ZEIT: Frau Breymaier, Kristina Marlen, gibt es ein Recht auf Prostitution?
Kristina Marlen: Ja. Jeder hat das Recht auf freie Berufswahl.
Leni Breymaier: Nein. Ganz sicher gibt es kein Recht auf Prostitution.
ZEIT: Auch nicht, wenn jemand sich frei dafür entscheidet?
Breymaier: Erst heute Nachmittag erzählte mir ein Sozialarbeiter der Szene aus einer süddeutschen Großstadt, in seinem Umfeld würden mindestens 95 Prozent der Frauen zur Prostitution gezwungen. Natürlich gibt es in der Öffentlichkeit auch Prostituierte – eloquent, selbstbewusst, gut aussehend –, die sagen: Ich mache den Job gerne und freiwillig. Aber diese wenigen rechtfertigen nicht das Leid der vielen anderen, der Zwangs- und Armutsprostituierten, der Loverboy- und Menschenhandels-Opfer. Deshalb fordere ich für Deutschland ein Verbot des Sexkaufs, wie es beispielsweise in Schweden praktiziert wird.