Dennis Thering ist aufgekratzt, als er auf die Bühne steigt, gerade hat er noch Stühle aus einem nahen Restaurant in den Saal getragen, so viele sind gekommen. "Der Hausmeister sagte zu mir: Als der Bürgermeister hier war, war es nicht ansatzweise so voll." Lachen, Johlen.

Ein Montagabend Mitte Januar, rund 300 Menschen quetschen sich in den Saal des Forums Alstertal, um Dennis Therings Gast zu erleben, den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Der redet eine Stunde ohne Pause, mal spricht er pathetisch wie ein Alterspräsident, mal macht er Witze wie ein Comedian. Er lobt die Wiedervereinigung ("Das allermeiste ist gelungen"), feiert den Patriotismus ("Warum zeigen wir so wenig Vaterlandsliebe?") und stichelt gegen die Jugend ("Das größte Abenteuer ist, mit sieben Prozent Akku aus dem Haus zu gehen"). Es ist ein Wohlfühlabend für die CDU-Seele.

Am nächsten Tag sagt Thering am Telefon, dass sich viele Bürger bei ihm gemeldet hätten, ihn für die Veranstaltung gelobt und sich bedankt hätten. Für Thering ist das ein gutes Zeichen: Die CDU lebt in seinem Wahlkreis, dem Alstertal und den Walddörfern im Nordosten der Stadt, wo er gute Chancen sieht, wieder ein Direktmandat zu holen.

Seine Strategie: Zum einen hat er die Zahl seiner kleinen Anfragen an den Senat noch einmal erhöht, die er dann in Hamburger Medien platziert. Er kritisiert, dass die Baustellen in der Stadt viel zu selten im Mehrschichtbetrieb organisiert seien, dass die Verkehrskoordination sich nicht verbessert habe und der Senat weit davon entfernt sei, die versprochenen 50 Kilometer Radwege zu bauen. Zum anderen will er vor Ort dauerpräsent sein. Sein unbezahlter Sonderurlaub hat begonnen, er wird auf Marktplätzen stehen, an den Abenden und Wochenenden an Haustüren klingeln, 3000 Besuche sollen es bis zum 23. Februar werden. Und er will Abende wie den mit Wolfgang Bosbach nutzen, um nicht nur den Verstand der Menschen zu erreichen, sondern auch die Herzen.

Als Bosbach nach zwei Stunden alle Fragen beantwortet hat, steht Thering auf und sagt: "Ich glaube, ich wurde bei einer politischen Veranstaltung noch nie so gut amüsiert wie heute Abend." Donnernder Applaus.