"Wurde Ihre Ausbildung in Deutschland anerkannt?", fragt der Augenarzt, während der Fisch serviert wird. "Nein", sagt Filiz Demirel. Es wird das einzige Mal sein, dass ihre migrantische Herkunft Thema ist an diesem Abend. Der Vorsitzende erhebt das Glas, begrüßt alle "Lions und Lionessen" hier im Elbsalon des Louis C. Jacob zur traditionellen Vorwahl-Diskussion des Lions Club Blankenese. Demirel, grüne Kandidatin im Wahlkreis Blankenese, lebt in dem nicht so begüterten Stadtteil Osdorf, sie ist zum ersten Mal in dem Fünf-Sterne-Hotel, beliebter Treffpunkt des Blankeneser Bürgertums. Eigentlich würde sie gerne mehr Haustürwahlkampf machen, aber: "Ich komm gerade nicht dazu."

Vielleicht ist sie deshalb etwas pessimistisch. Auf dem Wahlprognosezettel, den alle Gäste ausfüllen sollen, lässt sie anfangs die SPD gewinnen. Dann ändert sie ihre Zahlen, jetzt liegen die Grünen vorne, mit 0,2 Zählern Vorsprung. Eine breitbeinig-siegesgewisse Wahlkämpferin ist sie nicht.

Die AfD ist nicht eingeladen ins Louis C. Jacob, auch die Linken sind den Lions zu radikal. Grüne? Gehören hier unter Ärzten, Rechtsanwälten und Unternehmern längst zum Establishment. Auch wegen des Klimaschutzes. Lange schon wolle er Solarpanels auf seinem Ferienhaus an der Schlei anbringen, sagt ein Augenarzt. "Aber finden Sie mal jemanden, der Ihnen das macht!" Kann die Politik da nicht mehr helfen?

Die Podiumsdiskussion geht los. Demirel sagt, sie stehe für eine offene und freie Gesellschaft und kämpfe für ein Hamburger Antidiskriminierungsgesetz. Freundlicher Applaus. "Wir sehen hier alle so ein bisschen nach Einstecktuch aus", raunt der Augenarzt dem Journalisten zu, "aber wir sind nicht so." Diskriminierung interessiert dann doch nicht so sehr. Es geht um Wirtschaft, um Verkehr, vor allem das Thema Bildung regt hier viele auf. Ein Spediteur beschwert sich, dass die Schüler in Hamburg nicht mehr sitzen bleiben können: "Wir schleppen noch den Letzten mit!" Demirel bleibt sanft und standhaft: Kinder sollten individuelle Förderung erhalten, nicht Klassen wiederholen, sagt sie.