Wüstenheuschrecke

(Schistocerca gregaria)

© ZEIT-Grafik

Fruchtbar

Die Geschlechtsreife wird durch günstige Bedingungen ausgelöst: Wenn es regnet, erreichen alle Individuen des Schwarms die Geschlechtsreife gleichzeitig.

Ei, Ei, Ei

Ein einziges Weibchen legt etwa 80 Eier in den Boden. Auf einem Quadratmeter wurden schon bis zu 1.000 Eier gefunden. Die Heuschrecken schlüpfen nach zwei Wochen, nach etwa zehn Tagen können sie fliegen.

Wenn Flügel wachsen

Die Heuschrecke verändert ihr Verhalten, wenn sie engen Kontakt zu Artgenossen hat. Durch die Berührung wird Serotonin ausgeschüttet. Der Botenstoff bewirkt unter anderem ein Wachsen der Flugmuskulatur.

Die Verwandlung

Eigentlich ist die Wüstenheuschrecke eine Einzelgängerin: klein, braun und harmlos. Doch das kann sich ändern – innerhalb weniger Stunden. Erst färbt sie sich rosa, dann leuchtend gelb. Sie wird gefräßig, rottet sich mit anderen zusammen und fällt in riesigen Schwärmen über das Land her. Die Verwandlung ist so frappierend, dass Forscher bis 1921 glaubten, es handele sich um zwei verschiedene Arten.

2.400 km²

In Kenia ist ein besonders großer Schwarm mit Hunderten Millionen Insekten unterwegs: 60 Kilometer lang und 40 Kilometer breit. Mit seinen 2.400 Quadratkilometern ist er fast so groß wie das Saarland.

150 Kilometer

kann ein Schwarm am Tag zurücklegen. Dort, wo die Heuschrecken landen, bleibt kaum ein Halm stehen. Sie zerstören Acker- und Weideland.

Ursachen

Ostafrika erlebte zuletzt eine lange Dürreperiode, im Oktober und November dann überdurchschnittlich starke Regenfälle. Die Nässe schafft ideale Bedingungen für die Wüstenheuschrecke: Die Insekten legen ihre Eier gern in der feuchten Erde ab, die wachsenden Pflanzen liefern Futter.

Das große Fressen

Eine erwachsene Wüstenheuschrecke frisst am Tag so viel, wie sie selbst wiegt – etwa zwei Gramm. Bereits ein einziger Quadratkilometer Heuschrecken isst nach Schätzungen der UN-Behörde für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) so viel wie 35.000 Menschen.

Bekämpfung

Die einzige effektive Möglichkeit, die Insekten zu bekämpfen, sind Pestizide, die mit einem Flugzeug versprüht werden. 70 Millionen Dollar benötigt die FAO, um gegen die Insekten vorzugehen und die betroffenen Staaten zu unterstützen.

Hungersnot

Die UN warnen vor einer Hungersnot. Laut der FAO haben in der Region bereits jetzt 11,9 Millionen Menschen zu wenig zu essen. Hinzu kommt: Die meisten Menschen in den betroffenen Gebieten sind Kleinbauern und sind von den Erträgen der Landwirtschaft abhängig.

Hier ist die Not groß

Besonders betroffen sind Kenia und Äthiopien. Somalia hat diese Woche den Notstand ausgerufen.

Mehr als eine biblische Plage

Neben Stechmücken, Viehpest oder Hagel zählen auch Heuschrecken zu den zehn Plagen, von denen Ägypten laut der Bibel angeblich heimgesucht wurde. Die Schwärme kann es weltweit geben, wie unsere Zeitleiste zeigt.

Quellen

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) berichtet auf ihren Internetseiten* über die Heuschreckenplage. Die Verbreitung und Schwarmbildung der Heuschrecke wird mit dem Programm Locust Watch der FAO genau überwacht. In einem Artikel des Fachjournals "Science"** ist beschrieben, wie der Botenstoff Serotonin die Heuschrecken zur Plage werden lässt.


*Auf der Seite "Locust Watch" berichtet die Welternährungsorganisation FAO vom aktuellen Stand der Heuschreckenplage.
** Über die Rolle des Botenstoffs Serotonin bei Heuschreckenplagen berichtete das Journal "Science" (Anstey et al., 2009).