Eigentlich müsste die Kolumne über dem nun folgenden Text mal wieder mit "So geht’s nicht" betitelt werden. Aber die Erfahrung lehrt, dass gerade in kirchlichen Kreisen ein Donnerschlag auch ein Weckruf sein kann, gemeinsam einen bedrohenden Zustand anzugehen.

Einen solchen Donnerschlag gab es in der Neujahrsnacht in Waldmünchen im Landkreis Cham bei Regensburg. Im Garten der Pfarrei St. Stephan hat ein 22-Jähriger mit einem extrastarken Böller die Madonnenstatue in die Luft gesprengt. Die Grotte, die der Mesner vor mehr als vierzig Jahren aus Steinen für die Marienfigur errichtet hatte, war nur noch ein Geröllhaufen. Teile der Marienfigur lagen meterweit im Umkreis verstreut. Die polizeilichen Ermittler konnten den Täter ausmachen, der angab, das "geile Gefühl der Druckwelle bei der Detonation" habe er gemocht. Die Explosion der Muttergottes filmte der Sprengstoffattentäter mit dem Handy. Da der finanzielle Schaden der Sachbeschädigung auf gerade einmal 1000 Euro geschätzt wird, wurde der junge Mann wieder freigelassen.

Die Explosion der Muttergottes filmte der Sprengstoffattentäter auf seinem Handy.

Dass bei der Fahndung nach dem Täter sogar das bayerische Landeskriminalamt eingeschaltet wurde, zeigt, wie groß die Angst ist, dass es sich bei solcher Art Vandalismus um ein Hassdelikt gegen die Kirche und somit um eine politisch motivierte Aktion handelt. Bereits im vorigen Jahr wurde die Kirchengemeinde Großholbach im Westerwald am 18. Mai von einer Kirchenschändung heimgesucht. Unbekannte Täter zerstörten die Kirchenfenster, drangen in die Kirche ein, zerschlugen ein Kreuz an der Wand, demolierten die Christusfigur und einige andere Figuren. Der Altarraum wurde verwüstet, in den Mittelgang uriniert.

Der seelische Schaden, den die kirchlichen Mitarbeiter und auch viele Gläubige davontragen, ist größer als vielleicht in einem Museum, in dem die Exponate nicht so oder anders spirituell aufgeladen sind. Sollte man da nicht auch von einem Religionsdelikt sprechen und nicht nur von Sachbeschädigung, wie das die Rechtsprechung tut? Diebstahls- und Vandalismusdelikte in Kirchen und anderen religiösen Stätten haben deutlich zugenommen. Laut Jakob Johannes Koch, Kulturreferent der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, stehen dahinter keine "blindwütigen", sondern "ideologisch zielgerichtete Motivationen" als Grundmuster, schreibt er in der Zeitschrift "Herder Korrespondenz". Bei "Hakenkreuz-Graffiti" klinke sich der Staatsschutz ein. Patrique Koelmann, Pfarrer in der evangelischen Gemeinde in Dierdorf, hat seine Kirchenfenster nun nach vandalistischen Zerstörungen in seiner Kirche mit Panzerglas versehen. Polizeipatrouillen möchte er nicht.

Haben Sie von einer ungewöhnlichen Idee in Ihrer Gemeinde gehört? Bitte schreiben Sie an redaktion@christundwelt.de.