Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen, und du ernährst ihn fürs Leben: Konfuzius wusste, dass es besser ist, den Menschen das beizubringen, womit sie selbst für sich sorgen können. Und so erklärt der wichtigste Passus im Schreiben des Papstes, dass es die Bischöfe im Amazonasgebiet sind, die am besten wissen, was in ihrer Situation nottut – nicht der Papst und nicht die Kurie in Rom.

Franziskus sieht sich nicht als Entscheider, sondern als Begleiter. Die Bischöfe selbst haben auf einer Synode schon formuliert, wie es vorangehen könnte; deren Abschlusspapier gilt dem Papst als Fixpunkt (bitte lesen!). Seinen Segen haben die Bischöfe nun, doch die synodale Reise ist damit nicht zu Ende, sie beginnt erst.

Wer erwartet hatte, dass der Papst jetzt befiehlt, wo es langgeht, wird enttäuscht. Statt Regeln festzuzurren, gewährt Franziskus Raum. Er nennt allenfalls Rahmenbedingungen für ein Handeln, das sich vom Gewohnten oder andernorts Üblichen unterscheiden soll. Statt doktrinär festzulegen, träumt dieser Papst von einer Kirche mit amazonischem Antlitz. Sozial und ökologisch engagiert. Wissen und Weisheit Amazoniens wertschätzend, bewahrend, verteidigend. Ihre Seelsorgestruktur soll von den Bedürfnissen der Gemeinden her gedacht sein. Ihre Liturgie soll sich von der heimischen Kultur bereichern lassen.

Wer Antworten für den synodalen Weg in Deutschland erwartet hat, wird sich wohl selbst aufmachen müssen, diese zu finden und argumentativ zu untermauern: Geschlechtergerechtigkeit, Teilhabe, Gestaltungsvollmacht, dialogische Wahrheitsfindung, Machtkontrolle. Die demokratischen Lektionen der Moderne, das Erbe Europas verdienen es, in der katholischen Kirche inkulturiert zu werden. Testfall ist die Frauenfrage: Wer wie Franziskus das Loblied auf "Stärke und Gabe der Frauen" singt, muss sich auch zu ihrer Weihefähigkeit bekennen. Dass er stattdessen jetzt vor einer "Klerikalisierung der Frauen" warnt, steht ihm schlecht zu Gesicht.