Die Kirche zeigt Kante: In der Abtei Königsmünster im sauerländischen Meschede wird nun Karate unterrichtet. Mönche als Kampfsportler kennt man eigentlich nur aus den Wäldern von Nottingham, als Bruder Tuck Robin Hood schlagkräftig zur Seite stand. Aber der Benediktinermönch und Karatetrainer Marcus Görl hat anderes im Sinn.

Gegenüber dem Kölner Domradio sagte Marcus Görl, es sei doch eine "tolle Sache", dass sich in der Schule die Spiritualität von Glaube und Karate miteinander verbinden lasse. Karate bedeute im Deutschen "leere Hand" und sei, so der Mönch, kein Wettkampfsport, bei dem jemand zu besiegen sei: "Vielmehr steht dabei die innere Gelassenheit, Bescheidenheit sowie Respekt im Vordergrund." Schwer zu glauben, wenn man an die Athleten denkt, die mit einem hellen Schrei gefühlte vier Lagen Bretter mit einem Handkantenschlag in der Mitte durchtrennen. Seine Schüler sind begeistert, manche hat der Shihan, was auf Japanisch "Lehrer" bedeutet, schon christlich taufen lassen.

Die Kirche punktet dort, wo sie Angebote an Jugendliche macht, die zu ihrer jeweiligen Lebenssphäre passen. Das erfuhr auch der Fuldaer Bischof Michael Gerber, wie die Katholische Nachrichten-Agentur berichtet. An der Kinderuni in Fulda hielt er vor den Jüngsten eine einstündige Vorlesung mit dem Titel: "Sind die Geschichten von Jesus in der Bibel eigentlich echt so passiert?" Jede Universität würde sich in ihrem Audimax eine solche Beteiligung und wache Diskurslust wünschen, wie es offenbar die 50 Mädchen und Jungs im Alter von acht bis zwölf Jahren in der Theologischen Fakultät der Hochschule Fulda boten. Im Harry-Potter-Ambiente konnte der Lehrende auch noch was lernen.

Die Kirche punktet dort, wo sie Angebote an Jugendliche macht, die zu ihrer jeweiligen Lebenssituation passen.

Als Gerber darüber dozierte, dass Jesus übers Wasser ging, meldete sich ein Junge: "Es gibt auch ein Tier, das über das Wasser laufen kann: die Jesus-Christus-Echse." Hier unterscheiden sich Leguan und Legende: Das Reptil kann rund zehn Meter über Urwaldseen in Lateinamerika sprinten. Benotet wurden am Ende nicht die Studiosi, sondern der Bischof. Ein Mädchen urteilte, der Bischof sei "sehr gut drauf" gewesen und bekäme von ihr als Relilehrer die Note "Eins".

Ob so viele Punkte auch der irische katholische Priester und Sänger Ray Kelly bekommt, wenn er vielleicht bald beim Eurovision Song Contest antritt? Auf der Insel ist der Geistliche bekannt. Mit seinen 66 Jahren ist er jüngst im irischen Ableger von "Dancing with the Stars" über die vierte Runde hinausgekommen. Es sei "definitiv nicht seine Fußarbeit" gewesen, urteilte ein Kritiker der "Irish Times" nach der Sendung. Es lag am Charisma. Für den Herrn, der übers Wasser ging, dürfte das ebenso stimmen.

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