Es war ein Paukenschlag. Auf den Tag genau sieben Jahre nachdem Benedikt XVI. seinen Rücktritt erklärte (und nur einen Tag nach dem spektakulären Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer vom CDU-Vorsitz), gab Reinhard Kardinal Marx, 66, bekannt, bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe Anfang März in Mainz nicht mehr für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung zu stehen. "Ich finde, es sollte die jüngere Generation an die Reihe kommen", ließ Marx per Pressemitteilung verlauten. Die Entscheidung des Vorsitzenden trifft die Bischofskonferenz zur Unzeit. Gerade erst ist der von Marx initiierte und gegen heftigen Widerstand aus den eigenen Reihen durchgesetzte Synodale Weg gestartet. Bei diesem wollen Bischöfe und Laien zusammen die strukturellen Fragen aus der im Herbst 2018 vorgestellten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch von Kindern durch Kleriker klären. Zudem gibt es momentan keinen designierten Nachfolger. Wer also soll Marx im Amt beerben? Christ&Welt stellt die derzeit prominentesten und die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

Rainer Maria Woelki, 63: Der Hardliner

© Erzbistum Köln

Kaum einer hat in den vergangenen Monaten so offen die Konfrontation mit Marx gesucht wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Wie schon sein Vorgänger Joachim Kardinal Meisner gilt Woelki als konservativer Hardliner mit guten Kontakten nach Rom. In der Bischofskonferenz, die den Vorsitzenden wählt, hat Woelki wenige, dafür aber umso entschlossenere Verbündete. Vor allem die jungen und liberalen Bischöfe können mit Woelki jedoch kaum etwas anfangen. Er gilt als verschlossen, wenig kompromissfähig und theologisch rückwärtsgewandt. Gleichwohl steht er dem wohl mächtigsten deutschen Bistum vor. Diese Macht nutze schon sein Vorgänger, um den Vorsitzenden, damals hießen diese Lehmann und Zollitsch, zu beschädigen, jedoch nicht an seine Stelle zu treten.

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Franz-Josef Overbeck, 55: Der Intellektuelle

© Maik Meid

Der Bischof von Essen gilt unter den deutschen Bischöfen – wie Marx – als kluger Kopf und versierter Redner, den man auf jedes Podium schicken kann, ohne dass es peinlich wird (eine seltene Qualität in der Deutschen Bischofskonferenz). Als Militärbischof hat Overbeck beste Kontakte in die Politik. Zudem galt er – ebenfalls wie Marx – mal als konservativ. Zuletzt aber verkündete er: "Die alte Zeit ist zu Ende." Vom Zölibat bis zur Frauenweihe müsse alles auf den Prüfstand. Viele junge Bischöfe, die noch nicht wie Overbeck auf ein Jahrzehnt im Amt zurückblicken können, schauen auf zu ihm. Außerdem leitet er ein kleines Bistum, was sich im Gerangel der einflussreichen Bischöfe und Bistümer am Ende als Vorteil herausstellen könnte.

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Heiner Wilmer, 58: Der Außenseiter

© Sabrina Becker

Für viele, die auf eine Veränderung der katholischen Kirche hoffen, ist er der Hoffnungsträger: der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Seit vielen Jahren engagiert Wilmer sich für soziale Projekte im Heiligen Land. Im Jahr 2018 wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Der Missbrauch von Macht, sagte Wilmer damals, gehöre zur "DNA der Kirche". Zudem sprach er sich wiederholt gegen die Ehelosigkeit von Priestern aus. Für seine Äußerungen zum Missbrauch wurde Wilmer vom Kölner Kardinal Woelki heftig kritisiert. Doch er ist erst seit September 2018 im Amt – zu kurz möglicherweise, um bereits als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz infrage zu kommen.

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Franz-Josef Bode, 69: Der Stellvertreter

© Friso Gentsch/​Picture Alliance/​dpa

"Bibo", wie Franz-Josef Bode seit seiner Zeit als Jugendbischof im Bistum Osnabrück auch gerne genannt wird, ist momentan stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er gilt als freundlich und loyal seinem Vorgesetzten Marx gegenüber. Davon abgesehen war er schon liberal und reformfreudig, als der Papst noch nicht Franziskus, sondern Benedikt XVI. hieß. Bode fehlen jedoch Marx’ rhetorisches Talent und sein Charisma. Zudem ist er in der Vergangenheit schwer krank gewesen und nie ganz davon genesen. Sollten sich die verschiedenen Lager der Bischofskonferenz jedoch blockieren und auf keinen klaren Kandidaten einigen können, könnte Bode den Vorsitz interimsweise übernehmen.

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