Jede Beobachtung hat einen blinden Fleck. Das lässt sich am Beispiel Chinas, nun ja: beobachten. In den vergangenen Jahren hat das Regime den effizientesten Überwachungsstaat der Welt aufgebaut. Es beobachtet jede Regung in den sozialen Netzwerken, aus Angst, bei den Bürgern könne sich der Wunsch nach Freiheit regen. Gefürchtet hat die chinesische Führung also vornehmlich ein politisches Virus, und zwar so sehr, dass sie das biologische Virus Sars-CoV-2 anfangs als politisches behandelte. Mit der ironischen Folge, dass es genau das zu werden droht: Zur Epidemie ausgewachsen, fordert das Coronavirus nun das chinesische Staatssystem existenziell heraus.
Coronavirus: Das Virus des freien Denkens
Virale Informationen sind nicht totzukriegen. Das macht sie nicht nur als Krankheitserreger gefährlich, sondern auch zur Metapher für subversive Gedanken. Für Chinas Überwachungsstaat geht es in der Coronakrise jetzt um viel mehr als nur um Seuchenbekämpfung.