Krankheiten - So schützen Sie sich vor einer Infektion

Speditionen wie Wiek sind die Verbindung der Häfen zur Wirtschaft. Wiek transportiere im Monat 10.000 Container von Hamburg aus ins Binnenland und zurück, überschlägt Scheff. Gerade läuft der Transport schleppend. Am Dienstagmorgen warteten zehn der mehr als 70 Lkw der Firma seit mehr als einem Tag auf neue Ladung. Das sind sie nicht gewohnt. Zwar ist der Monat nach dem chinesischen Neujahrsfest, wenn die Produktion in Asien weitgehend pausiert, eher ruhig, sagt Scheff. Doch dann kamen wegen der jüngsten Stürme Schiffe verspätet an. Und nun auch noch Corona. Derzeit versuchen die Disponenten händeringend Ladungen aufzutreiben. Scheff sagt: "Mit dem Coronavirus gehe ich davon aus, dass wir bis Ostern mit dieser Situation leben müssen, mindestens."

In praktisch allen größeren Unternehmen beschäftigt man sich täglich mit der neuen Lage. Wo man es nicht so ernst klingen lassen will, nennt man die eingerichteten Arbeitsgruppen "Corona Taskforce", beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen berät täglich ein Krisenstab. Routinierter als viele andere ist die Lufthansa. Die Fluggesellschaft hat das Virus zwar hart getroffen, wie die gesamte Reisebranche. Doch der Konzern hat auch die Erfahrung eines Unternehmens, bei dem jederzeit das Wetter, Vulkane oder Kriege den Betriebsablauf durcheinanderbringen können.

Kein Wunder, dass Tobias Dingwerth, Infektiologe des Medizinischen Dienstes der Lufthansa, einer der ersten deutschen Ärzte war, der sich Sorgen um die Entwicklungen in China machte. Dingwerth untersucht Piloten und Flugbegleiter auf deren Flugtauglichkeit. Außerdem ist es sein Job, gesundheitsbezogene Risiken für sein Unternehmen schneller zu erkennen als andere. "Wir überwachen weltweit das Auftreten von Infektionskrankheiten", sagt der 40-Jährige. Jeden Morgen informiert er sich über drohende Gesundheitsgefahren zwischen Sydney und Seattle. Am 6. Januar, das Covid-19-Virus war da noch weithin unbekannt, schreibt er in einem Memo: "Atemwegsinfektion in Wuhan, China".

Seit dem 21. Januar gibt es nun eine Arbeitsgruppe, die jeden Morgen um 8.30 Uhr telefoniert. Außerdem aktivierte der Konzern eine Woche später den Pandemieplan. Es wurden massenhaft Desinfektionsmittel und Atemmasken beschafft und dorthin geflogen, wo die Mitarbeiter sie benötigen, vor allem nach China.

Täglich wird neu entschieden. Die größte Herausforderung ist die Verzahnung der Passagierströme mit den unterschiedlichen Regeln in verschiedenen Ländern. "Wenn Sie eine Crew nach China schicken, darf sie in Israel nicht mehr einreisen. Italienische Staatsbürger unterliegen Einreiseverboten in Saudi-Arabien, Kuwait und Oman, Gäste aus China dürfen wiederum in der Regel nicht auf Flügen in die USA befördert werden. Und jedes Land hat andere Formulare, die Passagiere ausfüllen müssen, wenn sie von Bord gehen", sagt Dingwerth.

Es wollen ohnehin immer weniger Leute verreisen. Daher erwägt die Lufthansa, ihr Angebot in Europa um ein Viertel zu reduzieren. Bis zu 23 Langstreckenjets bleiben am Boden. Alle Flüge der Lufthansa und ihrer Töchter nach China sind bis zum 24. April gestrichen. Selbst innerdeutsche Flüge werden reduziert. Die Lufthansa wird das Hunderte Millionen Euro kosten.

Noch kämpft jedes der Unternehmen für sich gegen das Virus. Die Frage ist, ob sie das ohne staatliche Hilfe lange durchhalten: Die Bundesregierung hat ihre Zweifel. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat schon einen Plan ausarbeiten lassen. Erst sollen einzelne Firmen Überbrückungskredite bekommen, dann soll – wenn nötig – ein klassisches Konjunkturprogramm anlaufen, zum Beispiel mit Steuersenkungen. Man sei "vorbereitet und entschlossen, Beschäftigung und Wertschöpfung zu sichern", sagt Altmaier. Immerhin: Das Geld ist da. Auf etwa 50 Milliarden Euro schätzt das Wirtschaftsministerium die Reserven im deutschen Staatshaushalt. Damit lässt sich schon etwas anfangen.

Mitarbeit: Mark Schieritz