Yasmine Motarjemi ist eine gebrochene Frau. "Ich will wieder lernen, wie man richtig lebt", sagt die ehemalige Managerin. Zehn Jahre kämpfte sie vor Gericht gegen ihren früheren Arbeitgeber, den Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Am Montag hat sie gewonnen. Und zwar ein für alle Mal. Das Bundesgericht hat ungewöhnlich schnell gearbeitet und in nur 18 Tagen das Urteil des Waadtländer Kantonsgerichts bestätigt: Motarjemi wurde bei Nestlé jahrelang gemobbt und erniedrigt. Man habe ihre Karriere und ihre Gesundheit zerstört, konstatieren nun auch die obersten Schweizer Richter.

Als Global Food Safety Managerin sollte Motarjemi Missstände in der Lebensmittelsicherheit beheben. Doch anstatt auf ihre Warnungen zu hören, wurde sie abgestraft und letztlich entlassen. Die Konzernleitung sei im Bild gewesen, habe aber nur eine "Scheinuntersuchung" in Auftrag gegeben und sich damit mitschuldig gemacht. Das Bezirksgericht soll nun ausrechnen, wie viel Wiedergutmachung Nestlé an Motarjemi zahlen muss.

Der Prozess dauerte ungewöhnlich lange, weil Nestlé unter der Federführung des Lausanner Universitätsprofessors Rémy Wyler immer wieder Rekurse einlegte und Motarjemi mehrmals zu verklagen versuchte – stets vergeblich. Sie wolle der Schweiz noch eine Frage stellen, sagt Motarjemi am Telefon: "Wer ist hier eigentlich krank – ich oder das Management von Nestlé? Seit Jahren versuchen mich Psychologen und Psychiater zu heilen. Warum therapieren sie nicht Paul Bulcke?"