Es ist spät in der Nacht auf Dienstag dieser Woche, als die Propellermaschine aus der Lombardei in Leipzig landet: An Bord zwei Männer, beide 57 Jahre alt, beide verlegt aus dem Krankenhaus Papa Giovanni XXIII in Bergamo, beide mit schweren Covid-19-Symptomen, beide künstlich beatmet. In Leipzig kämpft man nun – kämpfen sie nun – um ihre Leben.

Acht italienische Covid-19-Patienten werden von dieser Woche an in Sachsens Krankenhäusern behandelt. Eine kleine Zahl, eine kleine Geste, die aber in Italien registriert wurde: "Sassonia" sei die erste europäische Region, die italienische Patienten willkommen heiße, schrieb La Repubblica. Nachdem Baden-Württemberg und das Saarland zuvor schon Erkrankte aus Frankreich einfliegen ließen, hatten viele Menschen in Italien auf ein Zeichen europäischer Solidarität auch für ihr Land gewartet. "Ein ganz, ganz wichtiges Zeichen, dass wir zusammenhalten", so formulierte es Michael Kretschmer, Sachsens CDU-Regierungschef. Am Ende war er es, der die politische Entscheidung traf. Aber sie wäre nicht zustande gekommen ohne den Nachdruck von Kliniken, Ärzten – und eines jungen Bundestagsabgeordneten.

Marian Wendt, 34, CDU-Mann aus Nordsachsen, gehört der deutsch-italienischen Parlamentariergruppe an. Er halte in diesen Tagen, sagt er, täglich Kontakt zur deutschen Botschaft in Rom, es gehe um Ausfuhrgenehmigungen, den Export von Schutzanzügen, das Management der Corona-Katastrophe. "Am Donnerstag voriger Woche fragte mich die Botschaft, ob wir Patienten aus Italien aufnehmen könnten", sagt Wendt. Er habe dann seine Kontakte aktiviert. Am Freitag habe er positive Signale der Staatsregierung erhalten, aber das Wochenende über bangte er noch, ob am Ende alle mutig sein würden: Deutsche Klinikbetten mit Corona-Patienten aus dem Ausland zu belegen, das fanden manche politisch heikel. Es seien vor allem die Ärzte gewesen, sagt Wendt, die von Anfang an signalisiert hätten: Wir könnten das schaffen, wenn die Politik will. "Für uns ist das in der derzeitigen Lage selbstverständlich und europäische Bürgerpflicht", sagt Gerhard Hindricks, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums Leipzig, das – ebenso wie Leipzigs und Dresdens Uni-Kliniken und ein Coswiger Fachkrankenhaus – zwei Patienten übernimmt. Mehr als eine symbolische Geste, sagt Wendt, wäre die Aktion, wenn sich andere anschlössen: Wäre nicht mehr möglich, in weiteren Bundesländern? Ja: Am Dienstag kündigten Bayern und NRW an, Corona-Patienten aus Italien aufzunehmen.