Vor wenigen Tagen ging ein Interview mit SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich viral. Er erklärte, die Anschläge auf jüdische Einrichtungen in diesen Tagen seien beschämend und man müsse nochmals die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen, was die Bundesländer auch täten. Dann fügte er hinzu: "Aber auf der anderen Seite müssen wir auch gegenüber der israelischen Regierung darauf hinweisen, dass es gut wäre, wenn sie möglicherweise eben doch auf Angebote einer Waffenruhe eingehen würden."
Diese Äußerung irritiert. Was soll damit angedeutet werden? Wird da ein kausaler Zusammenhang insinuiert, der zwar Anschläge auf jüdische Einrichtungen keineswegs rechtfertigt, aber sie zu erklären versucht? Dass die israelische Regierung solche Anschläge provoziere und man diese deswegen verstehen müsse? Anschläge auf deutsche Staatsbürger übrigens? Es soll Mützenich wahrlich nichts unterstellt werden, aber es zeigt, wie problematisch unachtsames Sprechen werden kann. Und wie schnell antijüdische Klischees, ohne dass man sich dessen im besten Fall bewusst ist, hervorsprudeln können. In diesem Fall wäre es das uralte Versatzstück: "Der Jude ist selbst schuld, wenn man ihn hasst und verfolgt."