Seit ein paar Monaten wird in Bayern ein Gaunerstück aufgeführt, das ungeheuerlicher kaum auszudenken ist. Von Plagiaten handelt es, von gestohlenen Goldzähnen, einem angeblichen Mord und einer Frau, die angeblich aus einem Konzentrationslager der Nazis entkommen sein soll. Das Wort "angeblich" spielt in diesem Stück eine Hauptrolle, weil Behauptungen und Fälschungen sich plötzlich zu einem bösartigen Gerücht verdichteten, das einen angesehenen Wissenschaftler die Existenz hätte kosten sollen.

Es ist ein Drama mit vielen losen Enden und mehreren Protagonisten, unter ihnen zwei Menschen, die einem außergewöhnlichen Beruf nachgehen: Sie nennen sich "Plagiatsjäger". Sie verdienen Geld damit, Betrug in wissenschaftlichen Arbeiten aufzuspüren – unerlaubtes Abschreiben aus anderen Werken etwa. Diesen Beruf haben Martin Heidingsfelder in Bayern und Stefan Weber in Österreich. Im Frühjahr dieses Jahres wurden sie von jemandem beauftragt, die Dissertation eines bekannten Wissenschaftlers zu überprüfen – des Direktors des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität München, Professor Matthias Graw.