In Usbekistan ist noch unbekannt, was Cem Özdemir isst und was nicht. Am Messestand des Landes soll er Spezialitäten probieren, ein Usbeke reicht ihm ein Reisgericht mit Geschnetzeltem. "Danke", sagt Özdemir, "ich bin Vegetarier." – "Oh", sagt der Usbeke, er guckt ein bisschen traurig. Özdemir, strahlend: "Aber ich nehme Tee!"

Berlin am vergangenen Freitagmorgen, Tag eins der Internationalen Grünen Woche, der wichtigsten Agrarmesse der Welt. Özdemir hetzt mit beim Eröffnungsrundgang, allein elf Landesküchen in 77 Minuten. Überall Kostproben unter erwartungsvollen Blicken, dann noch mehr Stände, Empfänge, Grußworte. Der grüne Bundeslandwirtschaftsminister macht diesen Ritt zum ersten Mal – wegen Corona fiel die Schau vor einem Jahr noch aus. Und vorher, da war Özdemir noch nicht Minister, und für Agrarthemen hatte er sich in seinen fast 30 Berufspolitikerjahren nicht weiter interessiert; Außen- und zuletzt auch Verkehrspolitik waren eher seins.