Andreas Reckwitz, geboren 1970, ist Professor für Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin

In den Deutungen unserer Gegenwart scheint sich ein neuer Katastrophismus zu verbreiten. Das "Ende der Geschichte" in den rosigen Farben von Francis Fukuyama war gestern. Droht nun stattdessen ein Ende der Geschichte ganz anderer, düsterer Art? In den letzten zehn Jahren folgen die Krisenmomente in immer dichterer Taktung: Finanzkrise, Pandemie, ein Putschversuch in den USA, Ukraine-Krieg und Energiekrise – und alles überlagernd der Klimawandel. Ganz aktuell sehen manche nach dem Bankrott der Silicon Valley Bank und den dramatischen Turbulenzen um die Credit Suisse – immerhin eines der 30 als global systemrelevant eingestuften Bankhäuser – bereits den Beginn einer neuen Finanzkrise. Wie aber reagieren Theorie und Kultur auf all diese Irritationen und Erschütterungen?