Sie war schwierig, süchtig nach den Extremen, so wie das 20. Jahrhundert, in dem sie gelebt hat. Marina Zwetajewa (1892 bis 1941), Tochter aus bestem russischem Haus, der Vater Kunsthistoriker und Gründer des Moskauer Puschkin-Museums, die Mutter Konzertpianistin, war auf die Stürme, die ihre Herkunftswelt hinwegfegten, nicht vorbereitet. Sie wuchs als viersprachiges Wunderkind – mit zwei Stunden Klavier am Morgen, zwei Stunden am Abend – in der westeuropäisch geprägten vorrevolutionären russischen Bourgeoisie auf, von deren Kultiviertheit man sich heute kaum noch eine Vorstellung machen kann. In ihren Kindheitserinnerungen stehen später Sätze wie "Ich las fließend mit vier" oder "Ich verstand schon in kurzer Zeit glänzend vom Blatt zu lesen", also ihr unbekannte Klaviernoten.
"Ich sehe alles auf meine Art": "Ich bin ABSOLUT"
Marina Zwetajewa ist eine der größten Dichterinnen der Weltliteratur. Ihre Tagebuchnotizen offenbaren jetzt die Abgründe der russischen Lyrikerin.