DIE ZEIT: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich am Wochenende hinter seinen Stellvertreter gestellt: Hubert Aiwanger wird im Amt bleiben. War die Entscheidung richtig?

Michael Wolffsohn: Für unser Gemeinwesen ist es richtig, Hubert Aiwanger im Amt zu belassen. Eine Entlassung hätte aus ihm einen Märtyrer der rechten Seite gemacht. Das kann weder im Interesse der CSU noch dem der Juden und aufgeklärten Nichtjuden in Deutschland sein.

ZEIT: Sehen Sie das auch so, Frau Prien?

Karin Prien: Für Markus Söder war das eine Entscheidung zwischen Pest oder Cholera. Söder hat natürlich auch die Gefahr gesehen, dass Aiwanger zum Märtyrer für die gesamte rechtspopulistische Bewegung werden könnte. Und auch für Aiwanger gilt die Unschuldsvermutung. Dennoch muss ich Herrn Wolffsohn vehement widersprechen: Erinnerungspolitisch erleben wir in Deutschland im Moment dunkle Tage. Es hat mich schockiert, dass Aiwanger nach Söders Entscheidung geradezu triumphierend aufgetreten ist – anstatt, wie gefordert, Reue und Demut zu zeigen.