Der einzige Segen des Schreckens ist die moralische Klarheit, die er schafft. Kein fühlender und denkender Mensch kann im Angesicht des Massenterrorangriffs der Hamas auf israelische Zivilisten unberührt oder neutral bleiben, es gibt keinen Zweifel, wer hier Opfer und wer Täter ist. Die Solidarität mit Israel, so oft eine mechanisch dahingesagte Phrase, ist auf einmal wieder eine lebendige Empfindung.

Schlagartig hat sich damit der Blick auf das Land fundamental gewandelt. Israel war zuletzt vielen unheimlich geworden, als Staat von zweifelhaften Aussichten in Sachen Liberalität und Demokratie, in dem eine radikale Rechtsregierung die Justiz gefügig machen wollte und aggressive Siedler und religiöse Fanatiker die politische Agenda zu beherrschen schienen. Die Sorgen waren auch begründet – wenngleich in der Kritik bisweilen eine verdächtige Lust daran mitschwang, den jüdischen Staat endlich guten Gewissens moralisch abtun zu können.