Der Flugverkehr ist für rund fünf Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich. Dabei geht nur ein Drittel davon auf das CO₂ zurück, das beim Verbrennen des Kraftstoffs Kerosin entsteht. Zwei Drittel des Klimaschadens werden durch andere Stoffe in den Triebwerks-Abgasen bewirkt – Stickoxide, Wasserdampf, Ruß. Größter Posten dabei sind winzige Partikel, die in der eiskalten Luft auf Reiseflughöhe zur Bildung langlebiger Kondensstreifen führen. Wie das Glas eines Gewächshauses halten sie die irdische Wärmestrahlung zurück.

Doch längst nicht jeder Flug erzeugt Kondensstreifen. Sie entstehen nur bei einer besonderen Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre. Schon mit einer kleinen Änderung der Flughöhe oder Route kann das Flugzeug in eine Luftschicht gelenkt werden, in der die Abgase keine Kondensstreifen mehr bilden. Mit einer optimierten Routenführung könnte man die Hälfte des Klimaschadens verhindern, den der globale Flugverkehr anrichtet – theoretisch.

Jetzt aber hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen mit der europäischen Flugsicherung Eurocontrol erstmals gezeigt, dass die Idee auch praktisch funktioniert. Für die Studie wurde die Höhe von 212 Flügen im nordwesteuropäischen Luftraum an bestimmten Tagen um mehrere Hundert Meter verändert. Die Flieger gelangten so in eine Luftschicht, in der auf Grundlage des Flugwetterberichts keine Kondensstreifen zu erwarten waren. Anschließend wurde dies auf Satellitenbildern überprüft.

Für dieses Experiment nutzten die Forscher Zeitfenster, in denen es 2021 aufgrund der Corona-Beschränkungen besonders wenig Flugverkehr gab. Am Ende konnten sie 23 Flüge identifizieren, bei denen sich der erwünschte Effekt tatsächlich nachweisen ließ. Und dieser war so eindeutig, dass sie jetzt dazu raten, die Kondensstreifenbildung standardmäßig bei der Flugroutenplanung zu berücksichtigen. "Auch wenn es noch viele Unsicherheiten gibt, ist das der schnellste Hebel, um den Treibhauseffekt des Flugverkehrs zu reduzieren", sagt Rüdiger Ehrmanntraut, der für Eurocontrol an der Studie beteiligt war.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass weniger als zehn Prozent aller Kondensstreifen besonders langlebig sind. Wenn nur diese verhindert werden könnten, wären damit schon 80 Prozent des möglichen Gesamteffekts erreicht. "Sie zu finden, ähnelt allerdings der Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt Klaus Gierens vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre.

Hilfreich wäre eine detailliertere Wettervorhersage für die relevanten Luftschichten. Dafür müssten mehr Flugzeuge mit Temperatur- und Feuchtesensoren ausgestattet und Echtzeitdaten ausgewertet werden. Ob ihr eigenes Flugzeug Kondensstreifen bildet, können Piloten nicht erkennen, wohl aber können sie die Kondensstreifen anderer Flugzeuge in Sichtweite melden. Ein Algorithmus müsste all das und zudem den Mehrverbrauch an Kerosin berücksichtigen, der durch die Routenänderungen entsteht.

Der Deutsche Wetterdienst, Eurocontrol und Fluggesellschaften arbeiten schon an diesem Projekt. "In fünf bis zehn Jahren könnte die Kondensstreifenvermeidung operationell werden", hofft Klaus Gierens.