Es ist schon seltsam, in diesen Tagen Ulrich Siegmund zu begegnen – einem jener AfD-Männer, derentwegen gerade Hunderttausende Bundesbürger auf die Straße gehen. Siegmund hat sein Magdeburger Landtagsbüro auf Saunahitze hochtemperiert, er möge es warm, sagt er, "mögen Sie einen Kaffee?" Da könne man guten Gewissens zugreifen, er habe eine Ausbildung zum Kaffeesommelier gemacht und hier in der Fraktion die Sorte umgestellt, auf den Arabica von Mövenpick.
Siegmund, 33, ist Fraktionschef der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt, sein Landesverband wird vom dortigen Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft, er träumt davon, in zwei Jahren Ministerpräsident zu werden – und deshalb interessiert im Moment vor allem eine Frage: Hat Ulrich Siegmund sich daran beteiligt, die Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund zu planen?