Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit unserem Ressort X. Erschienen in ZEIT am Wochenende, Ausgabe 14/2024.
Seit dem Hamas-Überfall auf Israel und dem Einmarsch der israelischen Armee im Gazastreifen sind jüdische Menschen in Deutschland noch häufiger das Ziel von Angriffen als ohnehin schon. Nach dem 7. Oktober 2023 registrierte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus, kurz RIAS, allein innerhalb eines Monats 994 Übergriffe. Auf den Tag heruntergerechnet, waren das gut viermal so viele wie im Vorjahresschnitt.
In dieser Dokumentation beschreiben wir Vorfälle, die sich im vergangenen halben Jahr ereignet haben. Dafür haben wir Landeskriminalämter, Staatsanwaltschaften und die von der Bundesregierung geförderte Dokumentationsstelle RIAS angefragt, die ein bundesweites Meldesystem betreibt, an das sich Betroffene wenden können. Außerdem haben wir selbst Betroffene gesprochen und Fälle aus Zeitungen und in sozialen Medien gesammelt.
Die Liste ist nicht vollständig, sondern eine Auswahl. Sie zeigt: Antisemitismus, also pauschale Abneigung und Hass gegen Juden, findet sich in allen Teilen der Gesellschaft. Er erscheint als Clownsbild mit der Bemerkung "Gas the Jews" im Klassenchat, als Rauswurf aus dem Taxi wegen einer Kippa oder als Hakenkreuz auf einem Stolperstein.
7. OKTOBER
In Berlin sitzen drei Jugendliche in der S-Bahn und unterhalten sich über das Massaker in Israel, das zu diesem Zeitpunkt in vollem Gange ist. Einer von ihnen sagt, dass er sich "eine Million israelischer Opfer" wünsche. Jemand, der das Gespräch hört, meldet es an die Dokumentationsstelle RIAS.
Am selben Nachmittag brüllt der Münchner Polizei zufolge ein 45-jähriger Iraker von seinem Balkon im Stadtteil Berg am Laim in München, dass "die Juden verrecken" sollen.
In Hannover geht eine Anzeige bei der Polizei ein, nachdem jemand mehrere Straßenschilder in der Loebensteinstraße übermalt oder gleich ganz abmontiert hat. Die Straße war erst kurz zuvor nach einem jüdischen Mädchen benannt worden, das dort mit seiner Familie gelebt hatte, bevor es 1943, mit zehn Jahren, im Vernichtungslager Sobibor ermordet worden war.
8. OKTOBER
In Marburg unterhalten sich zwei Männer in einem Café über die Terrorangriffe auf Israel. Einer von ihnen sagt: "Den Juden kann selbst ihr Geld nicht mehr helfen." Auch dieses Gespräch wird zufällig von jemandem mitgehört und an RIAS gemeldet.
In Halle an der Saale werden Fans des Drittligisten Hallescher FC von Preußen-Münster-Anhängern als "Juden" beschimpft.
Am gleichen Abend wird in Halle die Rückseite des jüdischen Gemeindezentrums mit merkwürdigen Schriftzeichen bekritzelt. Wenn man genau hinschaut, erkennt man das englische Wort "nasty"; gemein, böse.
In Berlin-Friedrichshain wird ein Werbeschild von DoDa’s Deli, einem israelischen Feinkostgeschäft, angezündet.
9. OKTOBER
In Altenkirchen, Rheinland-Pfalz, beschädigt jemand ein Fenster am Haus eines nichtjüdischen Paares, das dort einen Davidstern und eine Israelflagge aufgehängt hatte.
10. OKTOBER
In Berlin-Friedrichshain werden an der East Side Gallery fünf Hakenkreuze auf einem Rest der Berliner Mauer entdeckt sowie der Schriftzug "Kill Jews".
In Dortmund, auf der Thusneldastraße, wird über einer Neonazi-Kneipe ein Banner angebracht. Dort steht: "Israel ist unser Unglück", eine Anspielung auf jene Zeile, die während der NS-Zeit auf jedem Titelblatt der Nazi-Publikation "Der Stürmer" prangte: "Die Juden sind unser Unglück".
11. OKTOBER
In Chemnitz ruft eine 17-jährige Syrerin laut Staatsanwaltschaft den Teilnehmern einer proisraelischen Demo zu: "Wir schlachten euch alle ab! Alle!"
Auf Instagram kommentiert ein Mann mehrere Posts einer Frau, die sich dort mit Israel solidarisiert hatte, mit Beiträgen wie "Allah akhbar" (sic!), "is arab dick good?" und "Schade, dass Hitler dich nicht vergast hat".
Im Zug von Göttingen nach Hannover überhört eine Jüdin, wie jemand laut sagt: "You should gas the jews." Sie meldet die Bemerkung der Dokumentationsstelle RIAS.
12. OKTOBER
In Regensburg, auf dem Neupfarrplatz, schreit ein Mann, dass er Juden hasse und Hitler recht gehabt habe. Als ein Passant ihn zur Rede stellen will, sprüht der Mann ihm Pfefferspray ins Gesicht. Er wird später festgenommen.
In Berlin wird ein Wohnhaus in Prenzlauer Berg, in dem jüdische Menschen leben, mit einem Davidstern markiert. In den Tagen darauf tauchen die Davidstern-Markierungen an den Wänden und Türen von mindestens 14 weiteren Häusern in Berlin auf, in denen zum Teil Juden leben.
13. OKTOBER
In einer privaten Berliner Chatgruppe schreibt jemand an einen Juden: "Du gehörst an ne Rakete gefesselt. Und diese Rakete sollte am besten ne israelische Grundschule treffen. Das wär toll."
In Bad Hersfeld, Hessen, wird bemerkt, dass an der Stadtmauer eine Gedenktafel mit den Namen von 119 ermordeten Juden fehlt. Splitter der Tafel finden sich später in einer Grünanlage.
14. OKTOBER
In Dresden skandiert eine islamistische Gruppe bei einer Demonstration: "Khaibar, Khaibar, ya yahud, jaish muhammad saya’ud!" ("Khaibar, Khaibar, oh Juden, erinnert euch an Khaibar, die Armee Mohammeds kehrt zurück!"). Khaibar war der Name einer von Juden besiedelten Oase, die von der Armee des Propheten Mohammed im Jahr 628 überfallen wurde.
In Berlin-Halensee spielt Ronit P., eine jüdische Australierin, mit ihrer zwei Jahre alten Tochter auf einem Spielplatz. Nach einiger Zeit bemerkt sie, dass jemand einen Davidstern neben ihre Sachen gesprüht hat, in grellem Grün. Die Farbspritzer auf ihrer Tasche, sagt P. der ZEIT, seien noch frisch gewesen, als sie zurückkam.
15. OKTOBER
In Erfurt postet jemand auf Facebook einen Aufruf: "Es wird Zeit für einen weltweiten Krieg der anständigen Menschen, gegen all die jüdischen Lügen!"
In Betzdorf, Rheinland-Pfalz, werden über das Wochenende die Steine mehrerer jüdischer Gräber umgestoßen, die aus der Zeit vor dem Holocaust stammen.
16. OKTOBER
In einer Kölner Schule äußern sich in einer Klasse gleich mehrere Schüler antisemitisch. Es gipfelt darin, dass ein Junge sagt: "Hinter den meisten Kriegen stehen immer Juden, sie machen Geld damit." Zum Holocaust sei es nur deshalb gekommen, "weil die Juden so viele Probleme machen". Eine Person, die den Austausch hört, wendet sich an die Kölner Meldestelle für Antisemitismus.
17. OKTOBER
In Gießen klingeln zwei Männer an der Tür eines Israelis und fordern ihn auf, eine Israelflagge, die er am Balkon aufgehängt hat, zu entfernen. Als er sich weigert, beleidigen sie ihn, dringen in seine Wohnung ein, stehlen die Flagge und schlagen ihm mit der Faust ins Gesicht. Später meldet der Israeli den Überfall an RIAS.
18. OKTOBER
In Berlin-Mitte werfen zwei Vermummte zwei Molotowcocktails in Richtung der Synagoge der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel. Die Flaschen zerbersten auf dem Gehweg, das Feuer erlischt dort. Die Vermummten entkommen.
Ein Mann aus München postet auf Facebook: "Jüdische Söhne sollen abgeschlachtet werden".
Auf Instagram schreibt jemand: "Die Ummah" – die Gemeinschaft der Muslime – "sollte nicht ruhen bis jeder letzte dieser Kakerlaken ausgelöscht ist. Tod den zionisten. Bis jeder letzte Kopf über den boden rollt."
21. OKTOBER
In Hamburg ruft ein Betrunkener in der S-Bahn zwischen Reeperbahn und Hauptbahnhof laut Staatsanwaltschaft: "Scheißjuden" und "Scheißisraelis! Ich ficke euch alle!"
In Herborn, Hessen, entdecken Passanten die Aufschrift "Hitler" auf einem Granitblock, der an die 63 Herborner Juden erinnert, die in Theresienstadt, Treblinka, Sobibor, Auschwitz und Majdanek umgebracht wurden.
In Mannheim, auf dem Paradeplatz, tritt ein Jugendlicher an eine Gruppe heran, die eine Mahnwache für die Opfer des Hamas-Terrorangriffs abhält, und sagt: "Hitler hat es gut gemacht." So berichtet es die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz.
In Weimar schreibt jemand auf eine Litfaßsäule mit Plakaten der israelischen Geiseln: "Alle Juden lügen".
22. OKTOBER
In Berlin-Wedding wird ein Stein gegen das Fenster des Jüdischen Krankenhauses geworfen.
In Bonn wird die Israelfahne, die ein Ehepaar an seinem Haus angebracht hat, abgerissen und verbrannt; die verkohlten Reste der Fahne werden samt Asche in den Briefkasten geschüttet. Das Paar meldet den Vorfall an RIAS.
23. OKTOBER
In Chemnitz wird ein 20-jähriger Syrer, auf dessen Handyhülle eine Israelfahne abgebildet ist, von einer Gruppe Arabisch sprechender Männer angehalten, bedroht und ins Gesicht geschlagen. Laut der Polizeidirektion Chemnitz entwinden die Männer dem Syrer sein Handy, dann flüchten sie.
24. OKTOBER
In Duisburg wird ein vorbestrafter Islamist festgenommen, der in einem Chat mit einem Mann in Syrien einen Anschlag auf eine proisraelische Demonstration vorgeschlagen haben soll.
26. OKTOBER
In Dresden geht Raanan M., Psychotherapeut aus Berlin, durch die Neustadt, als ihn ein fremder Mann auf dem Gehweg überholt. "Er umarmte mich blitzschnell", sagt M. der ZEIT. Dann habe er ihm plötzlich seinen Chai-Anhänger, ein jüdisches Lebens- und Glückssymbol, vom Hals gerissen und sei geflohen.
28. OKTOBER
In Senden, Bayern, wird die Scheibe des israelischen Lebensmittelladens BeitShalom mitten in der Nacht mit Steinen eingeschmissen.
In Tegernheim, Bayern, entdeckt ein Passant, dass ein jüdischer Grabstein am Eingang zum katholischen Pfarramt nahezu vollständig mit schwarzer Farbe besprüht wurde.
29. OKTOBER
In Hannover kleben Rechtsradikale Sticker an eine Gedenkstätte im Stadtteil Ahlem. Darauf stehen Parolen wie "Fuck you Israel", "Befreie dich vom Schuldkult", "Free Palestine End Israeli Occupation" und "Nazizone". In Ahlem war einst eine jüdische Gartenbauschule untergebracht, bevor die Nationalsozialisten das Gebäude ab 1941 als Sammelstelle für Deportationen nutzten.
31. OKTOBER
In Chemnitz sagt eine Rednerin auf einer Demonstration der verschwörungsideologischen Initiative "Chemnitz steht auf": "Und wenn mir irgendjemand kommt von wegen, die Deutschen haben irgendeine Schuld an den Juden zu begleichen: Die Schuld ist schon lang abgegolten, wie lang denn noch! Es reicht!" Später fügt sie hinzu, dass ein Volk, das sich "für auserwählt" halte, nicht nach Deutschland gehöre.
1. NOVEMBER
In Marburg betrinken sich zwei Männer auf einem Rewe-Parkplatz und grölen laut einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelhessen "Scheißjuden".
In Homburg im Saarland werden Graffiti an der Hauswand eines Supermarktes entdeckt. Dort heißt es: "Tötet alle Juden und Jehuda Teichtal unser Diktator". Yehuda Teichtal ist Rabbiner einer jüdischen Gemeinde in Berlin.
2. NOVEMBER
In Hamburg ruft morgens ein Betrunkener in einer Einkaufsstraße wieder und wieder: "Alle Juden sollen verbrannt werden", meldet die Staatsanwaltschaft Hamburg.
3. NOVEMBER
In Leipzig wird eine Gedenksäule beschmiert, die die Künstlerin Nina K. Jurk in Erinnerung an den Holocaust gestaltet hatte. Auf die Säule hatte Jurk die "Todesfuge" des jüdischen Dichters Paul Celan gedruckt, sein berühmtes Gedicht über den Holocaust.
5. NOVEMBER
In Worms werden Aufkleber an der Synagoge sowie in der Judengasse und der Hinteren Judengasse entdeckt, die behaupten: "Opa war kein Verbrecher".
6. NOVEMBER
Unter dem Instagram-Post einer niedersächsischen Jüdin kommentiert jemand: "Your death is near, pigs", "Euer Tod ist nah, Schweine", sowie ein Emoji, das eine palästinensische Flagge zeigt.
8. NOVEMBER
In Berlin-Mitte wird eine Mahnwache gegen Antisemitismus von zwei Männern unterbrochen, die schreien: "Verfickte Juden, haut ab mit eurer Scheißfahne, geht nach Hause, geht in euren Schweinestall!" Die Anwesenden melden den Vorfall später an RIAS.
9. NOVEMBER
Der Esslinger Polizei werden Farbschmierereien in der Innenstadt gemeldet, etwa: "Tod für Juden".
In Mainz bemerkt ein Ehepaar, dass die Namen auf den drei Stolpersteinen für die ehemaligen jüdischen Bewohner der Schulrat-Spang-Straße 2 mit schwarzer Farbe übermalt wurden.
In Frankfurt entdeckt der Sicherheitsdienst der KfW-Bank an der Gebäudefassade einen riesigen Davidstern in roter Kreide.
In Berlin-Moabit wird die Teilnehmerin einer Versammlung, die an die Reichspogromnacht vor 85 Jahren erinnert, von drei Männern mit einer palästinensischen Flagge als "Judenschlampe" beschimpft. Sie meldet die Beleidigung später an RIAS.
10. NOVEMBER
In Freiburg erhält die Israelitische Gemeinde einen Brief, in dem heißt es: "BALD IST WIEDER REICHSKRISTALLNACHT AUCH IN FREIBURG WERDEN WIR DAS WERK DER VERNICHTUNG DES JUDENTUMS FORTSETZEN TOD ISRAEL".
11. NOVEMBER
Im Frankfurter Bahnhofsviertel bedroht ein Obdachloser mit einem Messer einen 33-Jährigen, der eine Kippa trägt, wie der daraufhin der Polizei meldet.
Am gleichen Tag wird ein Rabbiner, der mit einem anderen jüdischen Mann vor dem Eingang des Frankfurter Marriott-Hotels wartet, von drei Männern beleidigt. "Drecksjuden" rufen die betrunkenen Football-Fans aus Baden-Württemberg, als sie sehen, dass einer der Wartenden eine Kippa trägt.
In Mannheim bemerkt jemand auf einem Pfeiler der Konrad-Adenauer-Brücke den Schriftzug "Juden vergasen".
In Fürstenwalde, Brandenburg, entdeckt ein Pfarrer, dass ein Glasschaukasten neben dem Pfarrhaus eingeschlagen ist. Ein Zettel fehlt, der hinter der Scheibe hing und auf dem stand: "Wir schützen jüdisches Leben".
12. NOVEMBER
In Erfurt zünden zwei junge Männer libyscher Herkunft Gedenkzettel an, die Menschen vor der Neuen Synagoge niedergelegt hatten, um an die Opfer des Hamas-Angriffs auf Israel zu erinnern.
In der Nähe von Marsberg, Nordrhein-Westfalen, entdeckt eine Spaziergängerin am Wochenende im Wald einen eingeritzten Davidstern an einer Felswand. Daneben steht: "Wir finden euch!"
13. NOVEMBER
In Gommern, Sachsen-Anhalt, werden Graffiti auf dem jüdischen Friedhof entdeckt. Unter anderem hat jemand die Zahl 88 – Code für "Heil Hitler" – auf ein Mahnmal geschmiert, das an den Holocaust erinnert. Neben dem Gedenkstein wird auch eine Schreckschusswaffe gefunden.
In Frankfurt schmeißt jemand Eier gegen das Haus des jüdischen Ehepaars Sigal und Nir Rosenfeld und legt ihnen Hundekot vor die Wohnungstür. Die Rosenfelds betreiben das israelische Restaurant Kuli Alma im Stadtteil Dornbusch.
16. NOVEMBER
In Göttingen werden Schmierereien auf der Toilette der Universitätsbibliothek entdeckt. Unter anderem hat jemand einen Davidstern mit durchgestrichenem Hakenkreuz in der Mitte auf die Wand gemalt und darübergeschrieben: "David verrecke!"
18. NOVEMBER
In Hamburg-Harburg wird das rekonstruierte Eingangsportal der ehemaligen Synagoge mit Tomatenketchup beschmiert.
In Lübeck erhält die jüdische Gemeinde über mehrere Tage hinweg Hass-E-Mails, alle von derselben web.de-Adresse,
immer im gleichen Ton: "Betreff: Hurensöhne und Töchter. Na, du Judensau. Der Hitler hat euch Ratten Volk, Massenmörder und Kindermörder, nicht alle vergast. S C H A D E...!!!!!!!!!!!!!!! Ihr habt nicht das Recht zu leben, zumal nicht in Diesem Land.....!!!!!!!".
21. NOVEMBER
In Bayern durchsuchen Ermittler die Wohnungen von 17 Personen, die antisemitische Nachrichten im Internet geteilt haben. Unter den Beschuldigten ist ein Schüler, der in einem WhatsApp-Klassenchat das Bild eines Clowns verschickte mit der Aufschrift "Gas the Jews".
1. DEZEMBER
In Hamburg ruft ein türkischer Mann in der U-Bahn-Linie U3: "Scheißdeutsche! Ihr unterstützt die Juden!" Als ihn jemand zur Rede stellen will, schlägt er zu und bedroht den Mann der Hamburger Staatsanwaltschaft zufolge mit dem Tod.
9. DEZEMBER
In Berlin-Mitte schmiert jemand ein Hakenkreuz und den Schriftzug "Jude" an die Tür einer Wohnung, an deren Balkon eine Israelflagge hängt.
11. DEZEMBER
In Heidelberg spuckt ein Motorradfahrer eine Frau an, die an einer Bushaltestelle wartet. Sie trägt die Tasche eines jüdischen Museums, darauf ein Davidstern. Sie meldet den Vorfall später an RIAS.
18. DEZEMBER
Der Polizei in Frankfurt wird gemeldet, dass auf der Wittelsbacherallee ein Stolperstein mit einem Hakenkreuz und den Buchstaben "HH" für "Heil Hitler" beschmiert worden ist.
19. DEZEMBER
Auf TikTok postet der Account @youngbloodtraveller Anfang Dezember eine Collage mit Fotos von Auschwitz. In der Bildunterschrift steht unter anderem: "Von 1940 bis 1945 starben mindestens 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz. Die meisten der Opfer waren Juden." Ein User mit dem Namen "Memo" kommentiert darunter: "Wo ist er wenn man ihn braucht."
In Worms entdeckt ein Mann an der Mauer eines Weinbergs einen Schriftzug in weißer Kreide, "Jude ins Gas".
In München bemerkt eine Frau auf einem Stromkasten in der Türkenstraße den Schriftzug: "Juden vergiften die Brunnen".
22. DEZEMBER
In Neunkirchen im Saarland wird der Schriftzug "Kill all Jews" auf einer Fensterbank in der Bahnhofshalle entdeckt.
Auf TikTok veröffentlicht die Seite "talismanfakten_" ein Video, in dem die Länder aufgezählt werden, in denen außerhalb von Israel die meisten Juden leben. Ein User, der sich "Juhuu 1900" nennt, kommentiert darunter: "Nicht vergessen 1933" und ergänzt vier Herzchen-Smileys. Der User "li-liel-nu" schreibt: "Deswegen ist die Welt am Ende: ich HA/0/SS/0E die jeden Tag mehr und mehr".
29. DEZEMBER
Am Münchner Ostbahnhof sagt ein Jugendlicher: "Alle Juden sollen vergast werden." Als andere Reisende ihn ansprechen, erwidert er, dass Juden "Teufel und Monster" seien, so erzählen sie es später RIAS und der Polizei.
31. DEZEMBER
In Berlin-Steglitz wird ein Böller im Flur eines Mietshauses gezündet. Er geht direkt vor der einzigen Wohnung hoch, an der eine Mesusa hängt, ein jüdisches Segenssymbol.
6. JANUAR
In Berlin-Neukölln in einer McDonald’s-Filiale greift ein Mann, der zuvor am Nebentisch Arabisch gesprochen hat, zwei Israelis an, als er hört, dass sie sich auf Hebräisch unterhalten. Die israelische Frau berichtet später, der Mann sei mit einem Stuhl auf sie losgegangen, habe sie geschlagen, Schnaps über ihr ausgekippt und ihr ins Gesicht gespuckt. Dem israelischen Mann habe er mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sei dann geflüchtet.
10. JANUAR
In Essen entdeckt eine Passantin, dass jemand "Bastarde" und "Lüge" über zwei Gedenktafeln geschrieben hat, die an die jüdische Bankiersfamilie Hirschland erinnern.
In Leipzig bemerkt ein Hausmeister, dass jemand die Gedenkstele beschädigt hat, die an den jüdischen Fußballclub SK Bar Kochba erinnert, dessen Räume während der Reichspogromnacht verwüstet worden waren.
19. JANUAR
In Berlin trägt ein Mann bei einer Demo von Lkw-Fahrern ein Plakat, das ein Tor des Konzentrationslagers Auschwitz zeigt. Er hat "AuschWITZ" daraufgeschrieben.
27. JANUAR
Im Frankfurter Niddapark ruft ein 16-Jähriger, er werde "alle Juden vergasen", berichtet die Polizei Frankfurt.
In Leipzig werden am Bahnhof mehrere Porträts von Holocaustüberlebenden mit Farbe übermalt. Die Fotos sollen an die fast tausend jüdischen Einwohner und Einwohnerinnen erinnern, die in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden.
In Göttingen wird der jüdische Anwalt Achim D., als er eine proisraelische Demonstration verlässt, von einem Mann als "Kindermörder" beschimpft. Gut angezogen sei der Mann gewesen, der ihn beleidigte, sagt D. der ZEIT, "mit Lederschuhen und Steppjacke, als wäre er gerade auf dem Weg zum Golfplatz".
28. JANUAR
In Berlin-Neukölln entdeckt jemand den Satz "Juden gasen" in einem Hauseingang.
29. JANUAR
In Berlin-Mitte, in der Invalidenstraße, wird ein Mann auf dem Heimweg von einer Frau angeschrien: "Du dreckiges Judenschwein, du Judensau!"
30. JANUAR
In Wiesbaden sieht sich eine Gruppe von 60 Berufsschülern bei einem Klassenausflug den Film "Die Wannseekonferenz" an. Am Ende des Spielfilms, in dem es um das Treffen geht, bei dem die Nazis den Massenmord an den europäischen Juden planten, wird ein Text eingeblendet: "Sechs Millionen Juden wurden unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet." Sechs Jugendliche fangen dabei laut hessischem Kultusministerium an zu applaudieren.
2. FEBRUAR
In Berlin-Mitte, am Rosenthaler Platz, schlägt ein arabischstämmiger Lehramtsstudent der Freien Universität seinem jüdischen Kommilitonen Lahav Shapira mehrfach ins Gesicht. Als der am Boden liegt, tritt der Angreifer weiter auf ihn ein. Shapira wird mit einer gebrochenen Nase und Brüchen in der Augenhöhle und der Wange ins Krankenhaus eingeliefert. Er hatte sich zuvor an der Uni für die Freilassung der israelischen Geiseln und gegen Antisemitismus starkgemacht.
In Berlin-Steglitz bekommt der Rabbinatsschüler Levi U. einen Brief zurück, den er einige Tage zuvor mit der Post verschickt hat. Auf dem Brief hat jemand seinen Mittelnamen, der Israel lautet, durchgestrichen und ein Hakenkreuz darübergezeichnet. U. hatte bereits Ende Oktober einen Brief mit der Post geschickt, der nach einigen Tagen als unzustellbar zurückkam. Auch darauf hatte jemand seinen Mittelnamen durchgestrichen. (Die Post schreibt in einer Stellungnahme, dass sie versuche, den Fall aufzuklären, dies bei einem Standardbrief ohne Sendungsverfolgung aber schwierig sei. Man empfinde den Vorfall als "bedrückend".)
3. FEBRUAR
In Berlin-Neukölln sprüht jemand "Fuck Israel" in einen Hauseingang. Das eine s in "Israel" wird dabei durch zwei SS-Runen ersetzt.
6. FEBRUAR
In Oranienburg, Brandenburg, wird in der Gedenkstätte Sachsenhausen eine Postkarte hinterlassen, auf der steht: "i want another hitler to be here again, and send him to israel to kill them". ("Ich möchte, dass Hitler wiederkommt, und ihn nach Israel schicken, damit er sie tötet".)
11. FEBRUAR
In Berlin-Neukölln entdeckt jemand im Hausflur eines Wohnhauses an der Karl-Marx-Straße das Graffito "Fuck Jews & Muslims" und die Zahl 88.
18. FEBRUAR
In Kierspe, Nordrhein-Westfalen, werden drei Stolpersteine aus dem Asphalt gerissen. Zwei werden wiedergefunden, der dritte aber, für Bertha Rachel, eine Köchin, bleibt verschwunden. Rachel war in Kierspe am 19. Mai 1943 gestorben, kurz nachdem man ihren Sohn ins Ghetto von Zamość im heutigen Polen deportiert hatte.
In Burg, Sachsen-Anhalt, werden ein Davidstern in roter Farbe sowie die Worte "Sieg Heil" auf einem Gehweg entdeckt.
20. FEBRUAR
In Templin, Brandenburg, wird die Polizei gerufen, weil jemand zwei Hakenkreuze in hellem Grün auf den Betonsockel der Einfriedung geschmiert hat, die den jüdischen Friedhof umgibt.
23. FEBRUAR
In München wird ein jüdischer Mann von zwei 17-Jährigen auf dem Vorplatz der Synagoge am Sankt-Jakobs-Platz angegriffen. Laut Polizei beschimpfen die beiden Jugendlichen ihn als "Scheißjuden" und fangen an, auf ihn einzuschlagen. Einer habe dazu die Krücken verwendet, an denen er ging.
28. FEBRUAR
In Berlin-Mitte steigt ein Jude, der Kippa trägt, in ein Taxi ein. Als der Fahrer die Kippa sieht, habe er ihn gefragt: "Sind Sie Jude?" Dann habe der Fahrer ihn gebeten, wieder auszusteigen, sagt der jüdische Mann im Gespräch mit der ZEIT.
10. MÄRZ
In Berlin-Charlottenburg taucht an der Wand einer U-Bahn-Station der Schriftzug auf: "Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!" Nachdem die Worte mit einem Poster überklebt worden sind, versucht jemand, das Poster zu entfernen, um die Kritzelei wieder sichtbar zu machen.
In Berlin-Mitte versucht der Polizei zufolge ein Mann mit Spike-Schuhen, die großen Betonstelen des Denkmals für die ermordeten Juden Europas zu beschädigen.
In Karlsruhe ruft ein Passant laut Polizei "Heil Hitler", als die Deutsch-Israelische Gesellschaft Baden-Baden in einem kleinen Demonstrationszug durch die Stadt geht, um an die verbleibenden israelischen Geiseln in der Gewalt der Hamas zu erinnern.
25. MÄRZ
Auf Facebook postet der Zentralrat der Juden ein Bild seines Präsidenten Josef Schuster, der bei den Vereinten Nationen in Genf eine Rede hält. Ein Nutzer kommentiert, "das Judentum" sei in den vergangenen Jahrzehnten "massiv am Weltgeschehen und Tot (sic!) von Millionen Menschen beteiligt gewesen".