DIE ZEIT: Herr Settele, beim Stichwort Naturschutz assoziieren viele Menschen Löwen in Nationalparks oder Krötentunnel. Woran denken Sie?
Josef Settele: Ich gehe immer erst mal von der Landschaft aus. Hierzulande denke ich an eine historisch gewachsene Kulturlandschaft und dann an die Funktionen des jeweiligen Ökosystems. Arten sind dabei wichtig, aber nur ein Teil des Ganzen.
ZEIT: Wenn Sie "Kulturlandschaft" sagen, betonen Sie den Menschen. Geht es um mehr als Wildnis?
Settele: Genau. In der Ökologie wird das Thema unter drei Aspekten diskutiert. Der erste lautet "Nature for Nature". Da geht es um unberührte Räume oder darum, dass Ökosysteme Rechte bekommen. Der zweite, "Nature as Culture", bezieht sich auf Kulturlandschaften. In Europa macht das die größte Fläche aus. Und drittens werden unter dem Stichwort "Nature for Society" die Funktionen, die Natur für menschliche Gesellschaften übernimmt, betrachtet: Wasser, Erholung, Spiritualität, Bauholz. Alle drei Aspekte müssen in Balance sein.