Es ging um Politik, um Geld, um Weltanschauung, auch um Macht. Nur um eines ging es dann nicht mehr: um Literatur. Insider-Bericht aus der Abstimmung über einen bedeutenden Literaturpreis
Letztes Jahr wurden wir als Jurymitglieder des Internationalen Literaturpreises vom HKW in Berlin eingeladen. Nach einer kontroversen Abstimmung über die Shortlist, bei der politische Motive eine Rolle spielten, wurde die Shortlist erweitert, um den Kriterien des Preises gerecht zu werden. Bei der finalen Jurysitzung gab es erneut politische Diskussionen, bevor der senegalesische Autor Mohamed Mbougar Sarr zum Preisträger gekürt wurde. Die Erfahrung in der Jury zeigt eine aktuelle Tendenz im deutschen Kulturbetrieb, bei der politische Aspekte oft über literarische Qualität gestellt werden. Trotzdem wurde die erweiterte Shortlist veröffentlicht und der Preisträger gekürt.
Dies ist ein experimentelles Tool. Die Resultate können unvollständig, veraltet oder sogar falsch sein.
Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich?
Letztes Jahr, im Frühling 2023, wurden wir beide unabhängig voneinander eingeladen, Teil der Jury des Internationalen Literaturpreises zu sein, der jährlich vom Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin vergeben wird. Es ist ein sehr renommierter Preis: Mit 35.000 Euro dotiert, wird er seit 2009 jeweils an einen Autor und seinen Übersetzer verliehen, der Autor erhält 20.000 Euro, der Übersetzer 15.000. Ausgezeichnet wurden bislang unter anderem Amos Oz, Teju Cole, Marie NDiaye.
Wir nahmen die Einladung an, unterschrieben unsere Verträge und trugen schwere Bücherpakete nach Hause. Außer uns gab es noch fünf andere Jurymitglieder. Es wurde seitens des HKW großer Wert darauf gelegt, dass alles fair zugeht. Uns wurden dafür nicht nur die Bewertungskriterien des Preises in die Hand gedrückt, sondern auch beim ersten Treffen vorgelesen: