Warum hat Frankreichs Präsident das französische Volk verloren? Ein Gespräch mit dem ehemaligen grünen Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit, der lange als Vertrauter des französischen Präsidenten galt.
Die radikal rechte Partei Marine Le Pens hat die erste Runde der Parlamentswahl in Frankreich gewonnen, was auf Emmanuel Macrons Entscheidung, Neuwahlen auszurufen, zurückgeführt wird. Daniel Cohn-Bendit, der Macron lange unterstützt hat, ist enttäuscht von dessen Ego und Unfähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Er warnt vor einem möglichen Durchbruch des Rassemblement National und betont, dass die Linke keine politische Alternative bietet. Cohn-Bendit sieht die weniger schlechte Alternative darin, dass vernünftige Kräfte eine Minimalregierung bilden, um das Land vor einem möglichen Chaos zu bewahren. Er warnt vor den autoritären Tendenzen von Le Pen und hofft, dass Macron in einer solchen Situation über sich hinauswachsen könnte.
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Daniel Cohn-Bendit: Meinen Sie Emmanuel Macrons Entscheidung, Neuwahlen auszurufen? Die ist dem Wahnsinn eines Einzelnen entsprungen, und so ist das Ergebnis ausgefallen.
ZEIT: Wir meinten Ihr eigenes Engagement für Macron. Sie haben ihn lange Zeit sehr unterstützt.
Cohn-Bendit: Ich hatte geglaubt, Macron wolle eine verkrustete Rechts-links-Auseinandersetzung in Frankreich überwinden. Er war der Erste seit Langem, der Frankreich stärker innerhalb der Europäischen Union verankern wollte. Das war sein Ansatz. Und dieser Ansatz ist an Macron selbst gescheitert, an seinem Ego, seiner Unfähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Er hatte die wahnwitzige Idee: Ich kann alles allein. Das habe ich erst langsam verstanden. Deshalb haben sich unsere Wege vor einer Weile getrennt.