Was sollte jedes Kind am Ende der Kita-Zeit können? Wenn es sich also am letzten Tag von seiner Erzieherin verabschiedet, Mama die Wechselwäsche und die Gummistiefel mit nach Hause nimmt und die Mappe mit gesammelten Dino-Zeichnungen der vergangenen Jahre? Das Ziel ist die Schulreife. Eine Selbstverständlichkeit, würde man meinen. Doch in vielen deutschen Kitas ist das S-Wort ein Tabu.

Das fällt besonders auf, wenn Gäste aus dem Ausland kommen. Vor einiger Zeit waren Schulleiter aus den USA zu Besuch bei der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission, dem obersten Beratungsgremium der deutschen Bildungsminister. Ein Thema: die Situation der Vorschule in beiden Ländern. Mit Neid erfuhren die Besucher, dass der deutsche Staat pro Jahr deutlich mehr Geld pro Kind in der Kita ausgibt als für einen Schüler. Dass mehr als 90 Prozent der über Dreijährigen in einer Kita sind, auch deshalb, weil jedes Kind hierzulande Anspruch auf einen – häufig kostenfreien – Betreuungsplatz hat.