Die Parteichefin der Linken, Katja Kipping, hat eine gemeinsame Mitgliederbefragung der Parteien links der Mitte gefordert. Die Basis solle entscheiden, ob sie für ein rot-rot-grünes Bündnis bereitstünden oder "Merkel Plus" wollten. "Wir sind bereit zu sondieren", sagte Kipping der Funke-Mediengruppe. 

Kipping hat zudem ihren Vorstoß erweitert, vor der Regierungsbildung mit einer Rot-Rot-Grünen Mehrheit im Bundestag einen gesetzlichen Mindestlohn durchzusetzen. "Wenn die soziale Veränderungsmehrheit trägt, können wir sehr schnell ähnliche Initiativen nachschieben. Wir könnten zum Beispiel gemeinsam das Betreuungsgeld abschaffen und das freiwerdende Geld in Kindergartenplätze investieren", sagte sie.

Der Vorschlag erhielt Zustimmung von ver.di-Chef Frank Bsirske. "Es ist eine ausgezeichnete Idee, jetzt die Gelegenheit zu nutzen, den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn auf den Weg zu bringen und mit 8,50 Euro einzusteigen, bevor in Koalitionsverhandlungen bindende Festlegungen getroffen wurden", sagte er der Rheinischen Post.

Mit dieser Linkspartei keine bundespolitische Zusammenarbeit

Politiker von SPD und Grünen lehnten ab. Der Fraktionsvize der Sozialdemokraten, Hubertus Heil, sprach von "parteitaktischen Spielchen". Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte den Funke-Zeitungen, dass die nächste Regierung nicht an einem flächendeckenden Mindestlohn vorbeikomme. Kippings Offerte sei hingegen "durchsichtig und setzt auf eine bundespolitische Zusammenarbeit von Rot-Rot-Grün, die es mit dieser Linkspartei nicht geben kann".

Die frühere hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hingegen riet ihrer Partei und den Grünen, offen für Gespräche und neue Bündnisse zu sein. Die beiden Parteien dächten nur in Abgrenzungsstrategien, "und das ist eine schlechte Voraussetzung, eine Reformregierung zu stellen", sagte sie dem Tagesspiegel.