Zwei Tage nach der Parlamentswahl in Luxemburg haben Sozialdemokraten, Liberale und Grüne Gespräche zur Bildung einer Regierung begonnen. Außen vor blieben die Christdemokraten von Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Falls die Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden, wären die Christdemokraten erstmals seit 40 Jahren nicht in der Regierung.

Das würde das Ende der 18-jährigen Regierungszeit von Jean-Claude Juncker bedeuten. Er ist der dienstälteste Regierungschef der EU.


Junckers Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) war aus der Parlamentswahl am Sonntag mit 33,7 Prozent der Stimmen als stärkste Partei hervorgegangen. Sie bräuchte zum Regieren einen Partner, findet aber keinen. CSV-Präsident Michel Wolter sagte, auch eine Zweier-Koalition sei möglich gewesen. Man bedauere, dass man nicht beteiligt wird. Eine Dreierkoalition entspreche nicht dem Wählerwunsch. Falls es zu dem Bündnis komme, werde man erhobenen Hauptes in die Opposition gehen, sagte er.   

Dreier-Koalition historisch für Luxemburg

Die Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei (LSAP), die Liberalen (DP) und die Grünen hatten zusammen 32 Sitze erhalten. Das wäre genug, um eine Koalition zu bilden. Das Parlament hat 60 Sitze. 

Eine solche Koalition wäre historisch für Luxemburg: Erstmals seit der sozialliberalen Regierung von 1974-1979 würde dann die stärkste Partei in der Opposition landen. Außerdem wäre es das erste Mal in der Nachkriegszeit, dass Luxemburg von mehr als zwei Parteien regiert wird.

Am Dienstag hatten alle Parteipräsidenten bei Luxemburgs Staatschef, Großherzog Henri, vorgesprochen. Der Vorsitzende der Liberalen Xavier Bettel schlug ihm die Dreierkoalition vor. Der Großherzog muss nun einen Politiker mit der Regierungsbildung beauftragen. Eine Entscheidung wird noch in dieser Woche erwartet.