Die Bundesregierung hat nach der Bootkatastrophe vor Lampedusa Forderungen zurückgewiesen, zur Entlastung Italiens mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Deutschland biete bereits so vielen Menschen Zuflucht, wie es seiner Größe und Bevölkerungszahl in Europa angemessen sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert .

Auch ein Sprecher des Innenministeriums sagte, "der Ruf nach einem gerechteren Verteilungsmechanismus" für Flüchtlinge sei nicht legitim. Deutschland habe beispielsweise im vergangenen Jahr rund 65.000 Asylbewerber aufgenommen, Italien dagegen nur 15.000.

Nach Angaben des Innenministeriums baten im September fast 11.500 Menschen um Asyl in Deutschland. Das war im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg um etwa 21 Prozent und im Vergleich zum September 2012 ein Plus von rund 71 Prozent. Die meisten  Asylsuchenden kamen zuletzt aus Serbien , gefolgt von Syrien , Mazedonien , Russland und Afghanistan . Von Januar bis September stellten etwa 74.000 Menschen in Deutschland einen Asylantrag und damit fast 85 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In den 1990er Jahren hatten pro Jahr noch mehr als 400.000 Menschen um Asyl in Deutschland gebeten.   

Seibert sagte, die Regierung bedaure den Tod der Flüchtlinge zutiefst. Der Schlüssel liege darin, die Lebensverhältnisse in ihren Heimatländern zu verbessern. Fragen nach der europäischen Flüchtlingspolitik seien auf EU-Ebene zu beantworten.

Die Flüchtlingskatastrophe vor der italienischen Insel Lampedusa hatte eine neue Debatte über die europäische Asylpolitik ausgelöst. Nach dem Kentern eines Flüchtlingsschiffs am Donnerstag wurden bislang fast 200 Tote geborgen , mit weiteren Opfern muss gerechnet werden. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hatte als Konsequenz gefordert, Flüchtlinge gerechter innerhalb Europas zu verteilen. Auch Deutschland müsse mehr Menschen aufnehmen.

Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sprach sich für eine Überprüfung der europäischen Flüchtlingspolitik aus. Es stelle sich die Frage, ob es einen Mechanismus zur Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU brauche, sagte der CDU-Politiker. Bisher muss sich das Land um die Flüchtlinge kümmern, über das sie in die EU einreisen.

Barroso reist nach Lampedusa

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso will nach Angaben der Kommission am Mittwoch nach Lampedusa reisen, um die "Unterstützung und Solidarität Europas zu demonstrieren". Am Tag darauf stimmt das Europäische Parlament über das Grenzüberwachungssystem Eurosur ab, das im Dezember starten soll.  Bereits morgen wollen die EU-Innenminister bei ihrem Treffen in Luxemburg über Konsequenzen für die europäische Flüchtlingspolitik beraten.

Eurosur soll die Kommunikation zwischen den EU-Staaten verbessern und so helfen, illegale Einwanderung zu erkennen und zu vermeiden sowie die grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen. Europa-Abgeordnete hatten sich dafür eingesetzt, auch die Rettung von Flüchtlingen in Gefahr zur Aufgabe von Eurosur zu machen.