Die Spitzen der britischen Geheimdienste haben vor dem Parlament in London die Enthüllungen des US-Whistleblowers Edward Snowden scharf kritisiert. Sie nahmen am Donnerstag erstmals öffentlich Stellung zur den Vorwürfen zu ihren Überwachungspraktiken

Der Chef des Abhördiensts GCHQ, Iain Lobban sagte, Al-Kaida und andere Organisationen profitierten von den geheimen Informationen, die Snowden in den vergangenen Monaten über verschiedene Medien an die Öffentlichkeit gebracht habe. Seine Spione hätten bei ihrer Überwachung von Verdächtigen "fast tägliche Diskussionen" über Snowdens Enthüllungen mitbekommen. Vor allem der GCHQ war im Zusammenhang mit den Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Snowden in die Kritik geraten.

Noch deutlicher äußerte sich der Leiter des Auslandsdiensts MI6, John Sawers. "Es ist offensichtlich, dass sich unsere Gegner vor lauter Freude die Hände reiben", sagte er den Abgeordneten. "Al-Kaida schleckt das geradezu auf."

Lobben, Sawers und Andrew Parker, der Chef des Inlandsdiensts MI5, betonten, dass ihre Dienste innerhalb der gesetzlichen Grenzen operierten und nur in angemessenem Maße spionierten. "Wir verbringen unsere Zeit nicht damit, die Telefonate der Mehrheit abzuhören oder ihre E-Mails zu lesen", sagte Lobban.

Während der 90-minütigen Anhörung vor dem Ausschuss kamen auch der Bürgerkrieg in Syrien, Cyberangriffe auf Großbritannien und die anhaltende Terrorbedrohung aus Nordirland zur Sprache. MI5-Chef Parker warnte, dass viele in Großbritannien lebende Extremisten sich den Kämpfern in Syrien anschlössen. Seinem Dienst zufolge liege ihre Zahl im unteren dreistelligen Bereich. Einige von ihnen seien mittlerweile nach Großbritannien zurückgekehrt.