Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hat Spekulationen über einen Strafzins für überschüssiges Geld der Banken zurückgewiesen.  Er sagte am Donnerstag auf einer Konferenz in Berlin: "Bitte schließen Sie nicht aus dem, was ich heute sage, auf die Möglichkeit negativer Einlage-Zinsen". Draghi reagierte damit auf einen Medienbericht, wonach die EZB Strafzinsen für Geld in Erwägung ziehe, das Finanzinstitute bei der Notenbank parken.

Das Thema sei zwar auf der jüngsten Zinssitzung Anfang November angesprochen worden, sagte Draghi. "Doch seither gibt es nichts Neues." Investoren werteten Draghis Äußerung als Zeichen, dass der negative Zins nicht eingeführt wird. Ein Strafzins würde Banken dazu anregen, mehr Kredite zu vergeben, statt ihr Kapital bei der EZB zu deponieren. Die Gegner des Strafzinses fürchten aber, dass die Kosten auf die Bankkunden umgelegt würden.   

Die Agentur Bloomberg hatte unter Berufung auf zwei mit den Debatten in der Notenbank vertrauten Personen berichtet, der unter dem Leitzins liegende sogenannte Einlagesatz könne auf minus 0,1 Prozent von derzeit null Prozent gekappt werden. Dies käme de facto einem Strafzins für jene Banken gleich, die Geld lieber sicher bei der EZB parken, als es anderen Banken zu leihen. Noch gibt es im Euro-Raum aber keine Erfahrungen mit negativen Zinsen.

Neben seinen Äußerungen zu negativen Zinsen verteidigte Draghi die jüngste Zinssenkung der EZB auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent. Die Euro-Zone habe eine Phase "schleichend nachlassenden Preisdrucks" erlebt, in der die auf 0,7 Prozent gefallene Inflationsrate weit unter den Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent gefallen sei. Damit sei auch der erforderliche "Sicherheitspuffer über der Null-Linie" zusammengeschrumpft, sagte Draghi.