Parteichef Sigmar Gabriel und Exkanzlerkandidat Peer Steinbrück haben am ersten Tag des SPD-Parteitages die Verantwortung für das schlechte Ergebnis bei der Bundestageswahl übernommen. "Es gibt nichts zu beschönigen", sagte Gabriel, der sich auf dem Parteitag zur Wiederwahl als Parteichef stellt. Als Vorsitzender trage er die Hauptverantwortung. Der Parteitag müsse nun entscheiden, ob er Vorsitzender bleiben solle.

Auch Exkanzlerkandidat Peer Steinbrück sah sich als Spitzenkandidat in der Verantwortung für das schlechte Ergebnis, rief aber die Partei zu selbstbewusstem Auftreten auf. "Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss. Aber nicht die Einigung um jeden Preis", sagte er. Er betonte den Gestaltungswillen der Partei, bei dem es um die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen gehe. Steinbrück wurde mit großem Applaus empfangen.

Generalsekretärin Andrea Nahles hatte bei der Eröffnung eine offene Analyse der Wahlergebnisse der Bundestagswahl gefordert. "Wir dürfen jetzt nicht einfach zur Tagespolitik übergehen, trotz Koalitionsverhandlungen", sagte sie. In den Koalitionsverhandlungen will sich Nahles mehr gegen die Union durchsetzen und nannte Mindestlohn und Energiewende als Bedingung. Gleichzeitig warb sie für einen Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag.

Auf dem dreitägigen Parteitag der SPD soll es um die Ausrichtung der Partei in den kommenden Jahren gehen, aber auch das schlechte Wahlergebnis soll diskutiert werden. Vorab hatte die Partei bekannt gegeben, auf dem Parteitag über die Öffnung für mögliche Koalitionen mit der Linken zu sprechen. So wollen die Sozialdemokraten in Zukunft vor einer Wahl keine Koalitionen mehr ausschließen außer solche mit Rechtsextremen und Rechtspopulisten.