Nach dem Fund der spektakulären Kunstsammlung in einer Münchner Wohnung hat sich am Dienstag erstmals die Staatsanwaltschaft geäußert. Die Behörden hatten bei dem  Kunstfund in München 1.285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder beschlagnahmt. Dies teilte der Augsburger Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz mit. Die Durchsuchung der Wohnung habe im Jahr 2012 stattgefunden, sagte der Leiter des Zollfahndungsamts München, Siegfried Klöble. Die Kunstwerke seien in sehr gutem Zustand und fachgerecht gelagert gewesen. Man gehe nicht davon aus, dass es anderswo noch andere Bilder des Sammlers gebe.


Bei der Pressekonferenz in Augsburg war auch die Kunstexpertin Meike Hoffmann der Forschungsstelle "Entartete Kunst" der Freien Universität Berlin zugegen. Sie hat die Werke der Sammlung untersucht und erste Erkenntnisse präsentiert. Hoffmann sagte, es handele sich nicht nur um Werke der klassischen Moderne, sondern auch um Bilder des 19. Jahrhunderts. Das älteste Werk stamme aus dem 16. Jahrhundert. Es gehe nicht nur um NS-Raubkunst. Zu den beschlagnahmten Bildern gehören nach Angaben der Ermittler unter anderem Werke von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann und Dix. Einige Bilder seien bisher unbekannt gewesen, sagte Hoffmann.

Nach einem Bericht des Focus liegen für mindestens 200 Werke offizielle Suchmeldungen früherer Eigentümer vor, die ihre Schätze unter den Nationalsozialisten verloren hatten. Den Wert der Sammlung gibt das Magazin mit rund einer Milliarde Euro an.   

Kunstsammler-Erben fordern Transparenz

Die Erben jüdischer Kunstsammler haben die deutschen Behörden für die lange Geheimhaltung scharf kritisiert. Rechtsanwalt Markus Stötzel, der die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim vertritt, nannte dies im Handelsblatt am Dienstag einen Verstoß gegen die Washingtoner Erklärung, in der sich 44 Staaten über den Umgang mit NS-Beutekunst verständigt hatten. Auch der New Yorker Anwalt David Rowland, der zwischen 30 und 40 Erbengemeinschaften und Nachfahren jüdischer Kunstsammler vertritt, forderte absolute Transparenz bezüglich des Inhalts der Sammlung.

Dem Focus zufolge lagerte sie in der Wohnung des 79 Jahre alten Cornelius Gurlitt, Sohn des 1956 verstorbenen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Dieser hatte stets behauptet, seine Sammlung sei während des großen Bombenangriffs auf Dresden am 13. Februar 1945 verbrannt. Nun sollen die kostbaren Kunstschätze in einem Depot in Garching bei München lagern, wo sie von Sachverständigen untersucht werden. Auch die Herkunft der Bilder soll geklärt werden.  

Keine Durchsuchung des Salzburger Hauses

Der österreichische Rundfunk ORF berichtete, dass Gurlitt ein Haus in Salzburg besitze. Dieses sei noch nicht auf mögliche weitere Gemälde hin untersucht worden. "Es gibt augenblicklich noch kein Verfahren", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Deutsche Behörden hätten sich noch nicht mit einem Rechtshilfeverfahren an die österreichischen Ermittler gewandt.

Im Dezember 2011 gab es eine Anfrage der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen eines möglichen Finanzvergehens Gurlitts. "Dabei ist es um Kunsthandel gegangen, nicht um illegale Kunstwerke", so Neher. Der Bitte der Staatsanwaltschaft Augsburg wurde aber nicht nachgegangen. "Bei den Schilderungen hat es für uns keinen Hinweis darauf gegeben, dass das ein strafgerichtlicher Tatbestand wäre", so Neher.

Das Einfamilienhaus mit Garten wirkt laut Medienberichten ungepflegt und unbewohnt. Gurlitt soll das Anwesen seit mehr als 40 Jahren besitzen.