Anleger an der New Yorker Börse haben sich am ersten Handelstag von Twitter um die Aktien des Kurznachrichtendiensts gerissen. Die Papiere des kalifornischen Unternehmens verteuerten sich zeitweise um 92 Prozent und kosteten 50 Dollar. Der Ausgabepreis hatte bei 26 Dollar gelegen. Zum Handelsschluss blieb ein Plus von fast 73 Prozent auf 44,90 Dollar. Twitter hatte nicht die gleichen Fehler wie Facebook bei seinem Börsengang im Mai 2012 gemacht. Die Aktien des weltgrößten Onlinenetzwerks waren damals so teuer angeboten worden, dass der Kurs nach der Handelsaufnahme abstürzte und erst nach über einem Jahr den Ausgabepreis erreichte.

Das Interesse an Twitter war so groß, dass die Nachfrage das Angebot um das 30-Fache überstieg, wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Es wurden insgesamt 70 Millionen Papiere platziert. Zudem gibt es über Mehrzuteilungsoptionen 10,5 Millionen Aktien. Werden diese wie erwartet genutzt, könnte Twitter bis zu 2,1 Milliarden Dollar einnehmen. Es ist damit der größte Börsengang eines Internetunternehmens in den USA seit Facebook. Der Marktwert von Twitter liegt bei rund 25 Milliarden Dollar.

Twitter setzt nicht auf Nasdaq

Twitter feierte sein Debüt an der New Yorker Börse und nicht wie Facebook an der Nasdaq, wo die Aktien vieler anderer Technologiefirmen gehandelt werden. Der Facebook-Börsengang wurde im vergangenen Jahr nicht nur von dem Kursrückgang, sondern auch von technischen Pannen überschattet.

Facebook hat nach den Startschwierigkeiten Bedenken an seinem Geschäftsmodell ausräumen können: Der Aktienkurs liegt ein Viertel über dem Ausgabepreis. Auch Twitter, das anders als Facebook Verluste schreibt, steht unter Erklärungsdruck. Obwohl das Unternehmen 230 Millionen Nutzer zählt, ist noch unklar, wie langfristig mit ihnen Geld verdient werden kann. Im abgelaufenen Quartal stand ein Verlust von 65 Millionen Dollar. Twitter setzt wie Facebook vor allem auf Werbung, kann aber viele Kunden nicht dazu bewegen, sich täglich einzuloggen. Der Kurznachrichtendienst versprach jüngst, mehr Geld je Nutzer zu verdienen, Werbeangebote auszuweiten und Büros im Ausland zu eröffnen.

Weitere Onlineunternehmen erwägen offenbar Börsengänge

Der Twitter-Erfolg dürfte weitere Internetkonzerne auf das Parkett locken. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählen der Onlinemarktplatz für Apartments, Airbnb, der Datenspeicherdienst Dropbox und der Limousinen-Vermittler Uber. Auch Twitter-Chairman Jack Dorsey soll schon den nächsten Börsengang im Auge haben. Das von ihm geführte Startup Square für bargeldloses Bezahlen führt einem Medienbericht zufolge Gespräche mit Banken.

Bei Facebook profitierte vor allem Firmengründer Mark Zuckerberg, der endgültig zum Milliardär wurde. In ähnliche Höhen wird das Twitter-Debüt zwar die meisten Gründer und Investoren nicht katapultieren. Trotzdem werden sie jetzt deutlich reicher sein. Als Einzelperson hält die meisten Anteile Evan Williams, der bis 2010 Twitter-Chef war. Seine Aktien sind nun 2,7 Milliarden Dollar wert. Zu den größten Investoren der Anfangszeit gehört der Finanzinvestor Rizvi Traverse Management mit jetzt knapp 16 Prozent.

Am Mittwochabend hatte Twitter den Ausgabepreis auf 26 Dollar festgelegt. Ursprünglich wurden 17 bis 20 Dollar angepeilt. Wegen der hohen Nachfrage wurde die Spanne später auf 23 bis 25 Dollar angehoben.