Japan hat seine Klimaschutzziele drastisch gesenkt. Das ist die Konsequenz aus der Fukushima-Katastrophe. "Weil keiner unserer Atommeiler mehr am Netz ist, war das unvermeidlich", sagte Umweltminister Nobuteru Ishihara am Freitag. 

Bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Warschau sorgte Japans Eingeständnis für Verärgerung. "Ich kann mein Entsetzen gar nicht in Worte fassen", sagte Chinas Chefunterhändler Su Wei. In Warschau verhandeln die Vertreter von rund 190 Ländern über ein globales Klimaschutz-Abkommen, das 2015 verabschiedet werden soll.

Auch Deutschland zeigte sich enttäuscht. Die Bundesregierung würde es bedauern, falls Japan von seinen Klimazielen abrücken sollte, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Japan habe im Kampf gegen den Klimawandel lange eine Schlüsselrolle innegehabt. "Natürlich muss man bedenken, dass das Land nach der Reaktorkatastrophe in einer besonderen Lage ist", sagte Seibert. "Aber langfristig kann und sollte jedes Land sich ambitionierte Ziele setzen."

Bisher Vorreiter bei Kyoto

Bisher war Japan einer der Vorreiter des Klimaschutzabkommens von Kyoto: Die Regierung in Tokio hatte sich verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um ein Viertel gegenüber dem Stand von 1990 zu drosseln. Neues Ziel ist es, die Emissionen bis 2020 um 3,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu reduzieren. Im Vergleich zu 1990 entspricht dies einem Anstieg um drei Prozent.