Es sollte ein ausgelassener Abend werden für die Menschen in New York. Viele waren an diesem Dienstag mit Kostümen zur Arbeit gekommen, nach Feierabend wollten sie auf Partys von Freunden oder zur großen Halloweenparade auf der Sixth Avenue. Auch das Wetter spielte an diesem Herbsttag mit.

Doch am frühen Nachmittag drehte sich die Stimmung in der Millionenstadt an der Ostküste der USA, als erste Meldungen über einen Zwischenfall im Süden Manhattans auf den sozialen Netzwerken und den Fernsehbildschirmen auftauchten. In den folgenden Stunden bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen vieler New Yorker: Die Stadt war erneut Ziel eines Terroranschlags geworden.

Gegen 15.05 Uhr Ortszeit war ein 29-jähriger Mann mit einem gemieteten Pick-up-Truck über einen Fahrradweg ganz in der Nähe des Hudson River am Westufer der Insel gerast. Seche Menschen starben sofort, zwei weitere erlagen später ihren Verletzungen. Mindestens zwölf weitere wurden verletzt, bevor der Wagen mit einem Schulbus kollidierte und zum Stehen kam.

Auf der Flucht wurde der Täter, der mit einem Luftgewehr und einer Paintballpistole bewaffnet war, von einem Streifenpolizisten angeschossen und festgenommen. So schnell hatte der Täter gehandelt, dass den am Boden liegenden Opfern noch niemand zu Hilfe gekommen war, berichteten Augenzeugen in US-Medien. In einer nahe gelegenen Highschool endete gerade der Unterricht.

"Es ist ein sehr schmerzvoller Tag für unsere Stadt", sagte Bürgermeister Bill de Blasio in der ersten Pressekonferenz. "Diese Tat sollte uns brechen, aber wir New Yorker sind stark und wir sind unverwüstlich." Für diejenigen, die alt genug sind oder lange genug in New York leben, ruft der Anschlag dunkle Erinnerungen wach. Das neue World Trade Center, das die Zwillingstürme nach dem Attentat vom 11. September 2001 ersetzte, befindet sich nur wenige Gehminuten vom Anschlagsort entfernt.

Er sei extra in den südlichen Teil Manhattans gekommen, um vor Ort zu sein, sagte ein Mann, der im Anzug und mit Aktentasche außerhalb der Absperrung steht. Auf die Anschläge vor 16 Jahren angesprochen, winkt er ab. Wie viele hier will er darüber heute nicht sprechen. Doch wer vor Ort ist, der kann es kaum vermeiden, Parallelen zu ziehen, schließlich ragt der Bau wenige Hundert Meter südlich durch die Häuserschluchten in den blauen Herbsthimmel.

Die Behörden sprachen schnell von einem Terrorakt. Nach bisherigen Informationen soll der Täter "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben, als er nach dem Attentat aus seinem Wagen ausstieg. Nach bisherigem Stand war der Täter mit Absicht in einen Schulbus gefahren, in dem drei Kinder saßen. Im Fahrzeug hatten die Behörden handgeschriebene Notizen gefunden, auf denen der Mann seine Treue zur Terrororganisation "Islamischer Staat" schwört. Unterstützer der Gruppe feierten die Attacke im Internet.

Der Tatverdächtige war 2010 aus Usbekistan in die USA gekommen und hatte zuletzt in Tampa im Bundesstaat Florida gelebt, wo er eine Lkw-Firma gründen wollte. Er soll verheiratet sein und zwei Kinder haben. Das Fahrzeug hatte der Mann zuvor bei einem Mietwagenverleih im benachbarten Staat New Jersey geliehen. Ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder er im Auftrag einer Organisation agierte, war zunächst nicht klar.

Donald Trump nennt Täter "krank und gestört"

New York sei ein internationales Symbol für Demokratie und Frieden, so New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo am Nachmittag. "Das macht uns zu einem Ziel für jene, die diese Werte nicht vertreten." Im September 2016 hatte ein Mann im Manhattaner Viertel Chelsea eine selbst gebaute Bombe gezündet und 31 Menschen verletzt. Der Täter hatte allein gehandelt, war aber von der Lehre der Terrorgruppe Al-Kaida beeinflusst.

Donald Trump reagierte via Twitter auf den Anschlag. "Es sieht so aus, als habe es in New York erneut eine Attacke eines sehr kranken und gestörten Menschen gegeben. Die Behörden verfolgen die Sache genau. NICHT IN DEN USA!", schrieb der Präsident. Später sprach er den Opfern und seinen Angehörigen über den Mitteilungsdienst sein Mitgefühl aus. In der Nacht kündigte Trump schärfere Kontrollen für die Einreise an.