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Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist tot. Der 76-Jährige starb am Morgen in seinem Haus in Cambridge, teilte ein Sprecher der Familie mit. Hawkings Kinder Lucy, Robert und Tim seien zutiefst traurig. "Wir werden ihn für immer vermissen", teilten sie in einer Stellungnahme mit. "Er war ein großartiger Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Mann, dessen Arbeit und Vermächtnis viele Jahre weiterleben werden."

Hawking war für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zu Schwarzen Löchern und der Relativitätstheorie bekannt. Zu weltweiter Bekanntheit gelangte er 1988 mit dem Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit, in dem er einem nichtwissenschaftlichen Publikum die Natur des Universums erklärte. Außerdem versuchte Hawking über Jahrzehnte, die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und auf diese Weise eine Art "Weltformel" zu finden, die alle Bereiche des Universums umfasst. "Mein Ziel ist einfach", sagte er einmal. Er wolle das Universum ganz verstehen, "warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert".

Der Wissenschaftler lehrte viele Jahrzehnte an der renommierten Universität Cambridge. 1974 wurde er im Alter von nur 32 Jahren zum jüngsten Mitglied der renommierten britischen Royal Society ernannt. Fünf Jahre später erhielt er in Cambridge die Lucasian-Professur für Mathematik – und stand damit in der Nachfolge von Isaac Newton.

"Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen"

Als Hawking 21 Jahre alt war, wurde bei ihm die unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) diagnostiziert. Die Ärzte nahmen damals an, dass er nur wenige weitere Jahre zu leben habe. Doch die Krankheit schritt bei ihm nur sehr langsam voran und konnte seinen Aufstieg in der Wissenschaft nicht aufhalten. Seit Jahrzehnten war er aber fast völlig bewegungsunfähig. Er saß im Rollstuhl und konnte nur über einen Sprachcomputer kommunizieren.

In seinen letzten Lebensjahren warnte Hawking immer wieder vor riskanten Fehlentwicklungen. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, mahnte er. Deshalb müsse sich die Menschheit Ausweichmöglichkeiten im All schaffen. Hawking war überzeugt: "Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen."

Hawking nahm auch zu politischen Debatten Stellung. Vor dem Brexit-Referendum warnte er seine Landsleute vor einem Austritt aus der Europäischen Union: "Die Zeiten sind vorbei, in denen wir noch alleine gegen die Welt bestehen konnten", sagte er. Mit Blick auf den US-Präsidentschaftswahlkampf sagte Hawking, dass auch er sich das Phänomen Donald Trump nicht erklären könne. "Er ist ein Demagoge, der einfach an die niedrigsten Instinkte zu appellieren scheint."