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Judenfeindlichkeit: Attackierter Israeli spricht von "Erfahrung"

Er sei kein Jude, sondern israelischer Araber, sagt der Mann, der in Berlin angegriffen wurde. Er habe nicht geglaubt, dass es in Deutschland mit Kippa gefährlich sei.
Ein Kippa-Träger in Berlin © Carsten Koall/Getty Images

Der in Berlin antisemitisch attackierte Israeli hat mitgeteilt, die Kippa nicht aus religiösen Gründen getragen zu haben. "Ich bin nicht jüdisch", sagte der 21-Jährige in einem Interview mit der Deutschen Welle. "Ich bin in Israel in einer arabischen Familie aufgewachsen." Ein Freund habe ihn gewarnt, dass es unsicher sei, auf Deutschlands Straßen eine Kippa zu tragen. Das habe er nicht geglaubt und das Gegenteil beweisen wollen, indem er selbst eine Kippa aufsetzte. Die Kippa hatten ihm israelische Freunde geschenkt. Es sei das erste Mal gewesen, dass er eine Kippa trug.

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Mit einem Freund sei er dann eine Straße im Stadtbezirk Prenzlauer Berg entlanggelaufen. Wie ein vom Jüdischen Forum verbreitetes Video zeigt, wurden die beiden dort von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen. Einer davon schlug mit dem Gürtel zu und rief dabei "Du bist ein jüdischer Bastard" und "yahudi", das arabische Wort für Jude. Was vor und nach den Schlägen passierte, zeigt das 47 Sekunden lange Video nicht. Der Israeli sagte, er sei "ganz normal auf der Straße gegangen" und habe mit niemandem gesprochen. Es habe keinen Streit gegeben.

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Beweis für die Welt

Das Video habe er gemacht, um zu zeigen, "wie schrecklich es ist, heutzutage als Jude durch Berlins Straßen zu gehen", sagte der junge Mann der Deutschen Welle. Er wollte einen "Beweis für die Polizei, für die Menschen in Deutschland und auf der Welt". Am meisten enttäuscht habe ihn an der Situation, dass nach seiner Schätzung "mehr als 50 Personen" auf der Straße waren, aber nur eine Frau eingriff und den Angreifer anschrie.   

Politiker und Vertreter jüdischer Verbände zeigten sich schockiert von dem Vorfall. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, es müsse "mit aller Härte und Entschlossenheit" gegen jegliche Form von Antisemitismus vorgegangen werden. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sprach von einer "Schande für unser Land" und Außenminister Heiko Maas sagte: "Wir tragen Verantwortung dafür, uns schützend vor jüdisches Leben zu stellen."

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Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus teilte mit, es sei "unerträglich anzusehen, dass ein junger jüdischer Mann auf offener Straße im gut situierten Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg angegriffen wird, weil er sich als Jude zu erkennen gibt. Das zeigt, dass jüdische Menschen auch hier nicht sicher sind."

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (Rias) erfasste 2017 in Berlin 947 antisemitische Vorfälle, darunter 18 Angriffe, 23 Bedrohungen und 42 Sachbeschädigungen. Erfasst werden dabei auch nicht strafrechtlich relevante Vorfälle. Die Zahl antisemitischer Straftaten in Berlin steigt seit Jahren. Die Jüdische Gemeinde schätzt, dass 20.000 Juden in Berlin leben.

Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Fassung dieser Meldung hieß es, der angegriffene Israeli habe von einem "Experiment" gesprochen. Offenbar handelte es sich dabei um einen Übersetzungsfehler der Nachrichtenagenturen: Der Mann sprach in dem auf englisch geführten Interview von einer Erfahrung (experience), nicht von einem Experiment. Wir haben das korrigiert (red).

Judenfeindlichkeit - Merkel verurteilt antisemitischen Angriff In Prenzlauer Berg in Berlin wurden ein Mann mit Kippa beleidigt und angegriffen. »Mit aller Härte« müsse gegen Antisemitismus vorgegangen werden, sagte die Kanzlerin.
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