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Antisemitismus: Erneut Angriff auf jüdischen Mann in Berlin

Im Stadtteil Charlottenburg haben zwei Unbekannte einen Juden verfolgt, einer von ihnen stieß den Mann zu Boden. Der Staatsschutz ermittelt wegen Hasskriminalität.
Teilnehmer einer Kundgebung gegen Antisemitismus vor dem Brandenburger Tor in Berlin im September 2014 © Maja Hitij/​dpa

In Berlin gab es einen neuen Angriff auf einen Juden. Wie die Polizei mitteilte, wurde ein Mann jüdischen Glaubens im Stadtteil Charlottenburg attackiert. Aufgrund seiner Kleidung war er äußerlich als Jude erkennbar. Zwei Menschen sollen ihm gefolgt sein, bevor einer von ihnen den 55-Jährigen von hinten zu Boden stieß. Anschließend seien die Verfolger geflüchtet. Der Angegriffene rief zu Hause wegen Schmerzen am Kopf und in den Beinen den Rettungsdienst.

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Die Polizei geht nach Angaben eines Sprechers von einem antisemitischen Hintergrund aus. Sie hat den Fall an den für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz übergeben.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich antisemitisch motivierte Übergriffe gehäuft. Mitte Juni sind der Hamburger Landesrabbiner Shlomo Bistritzky und ein Begleiter vor dem Hamburger Rathaus beschimpft und bedroht worden. Ende Juli war in Berlin der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, Yehuda Teichtal, Opfer einer Attacke geworden. Nahe einer Synagoge beschimpften und bespuckten zwei Männer den Rabbiner, der in Begleitung seiner Kinder war und zuvor einen Gottesdienst im Bezirk Wilmersdorf geleitet hatte.

Eine Woche später wurde dann ein Rabbiner mit seiner Familie in München angegriffen. Nach dem Besuch einer Synagoge im Stadtteil Schwabing ist er mit seinen beiden erwachsenen Söhnen bespuckt sowie von mehreren Menschen als "Scheißjuden" beschimpft worden. Eine Tatverdächtige hatte sich anschließend der Polizei gestellt, ein antisemitisches Motiv jedoch bestritten.

Zahl der Gewalttaten gegen Juden gestiegen

Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) nannte die Tat einen "Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft". Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bezeichnete den Vorfall als "symptomatisch für die schwierige Situation vieler jüdischer Menschen in der heutigen Zeit". Das Sicherheitsgefühl, das für Juden momentan "in immer weitere Ferne" rücke, müsse wiederhergestellt werden, mahnte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

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"Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass Personen, die öffentlich als Juden wahrnehmbar sind, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, angefeindet zu werden", sagte Alexander Rasumny vom Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) der Jüdischen Allgemeinen.

Die Übergriffe auf Rabbiner in den vergangenen Wochen bestätigen diese Entwicklung. Bei RIAS-Berlin seien in diesem Jahr bereits mehr als 300 antisemitische Vorfälle gemeldet worden, davon mehr als zehn Angriffe. RIAS geht von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Nach Polizeiangaben ist in Berlin die Zahl der Gewalttaten gegen Juden um 60 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr gestiegen.

Antisemitismus - »Hast du keine Angst?« Sieben Jüdinnen und Juden erzählen, was ihre Identität ausmacht und wie sich Antisemitismus anfühlt. Dafür ließen sie sich auf ein Videoexperiment ein. © Foto: Kevin McElvaney für ZEIT ONLINE


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