FacebookFlickrGoogleInstagramTeilenSoundcloudTwitterGefällt mirAntwortenRetweetenYouTubeZEIT ONLINENachrichten auf ZEIT ONLINEFacebookMailFacebook MessengertwitterWhatsappZ+
Anzeige

Charlotte Knobloch: "Aggressiver Antisemitismus ist an der Tagesordnung"

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden sieht jüdisches Leben in Deutschland zunehmend bedroht. Charlotte Knobloch fordert einen Antisemitismusbeauftragten.

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, sieht das öffentliche jüdische Leben in Deutschland zunehmend bedroht. "Jüdisches Leben kann in der Öffentlichkeit nur unter Polizeischutz und schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden – oder es muss aus Sicherheitsgründen ganz abgesagt werden", sagte sie der Heilbronner Stimme. "Aggressiver Antisemitismus", von verbalen Anfeindungen im Internet und in der analogen Welt über Schändungen und Zerstörungen bis hin zu physischen Angriffen, sei in Deutschland "an der Tagesordnung".

Anzeige

Knobloch forderte außerdem von der Bundesregierung, einen Antisemitismusbeauftragten einzusetzen. "Antisemitismus erstarkt von rechts und links, in der muslimischen Community und auch in der Mitte der Gesellschaft", sagte die 85-Jährige. Dieses Amt müsse "starke Kompetenzen und Befugnisse erhalten und darf keine Symbolpolitik sein". Eine wirksame Bekämpfung der vielen offenen und verdeckten Formen von Antisemitismus sei überfällig. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich kürzlich für einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung stark gemacht.

Angriffe auf Chanukka-Leuchter in Heilbronn

Im Dezember hatte die Jüdische Gemeinde Heilbronn einen drei Meter hohen Leuchter anlässlich des Chanukka-Festes aufgestellt. Unbekannte hatten mehrere Lampen und die dazugehörigen Gaskartuschen von dem neunarmigen Leuchter heruntergeschlagen. In Berlin und München hätten die großen Chanukka-Leuchter rund um die Uhr unter Bewachung gestanden.

Zur Beschädigung des Chanukka-Leuchters in Heilbronn sagte Knobloch, dass ein "antisemitisches Motiv" zu vermuten sei. "Sollte sich das herausstellen, so bestätigte dies erneut den Zustand, den wir seit Langem beklagen: Regelmäßig werden jüdische Einrichtungen, Synagogen und Friedhöfe geschändet, werden öffentlich zugängliche Ausstellungen und Installationen mutwillig beschädigt oder zerstört."

Anzeige

Im Dezember hatten sich antisemitische Vorfälle in Deutschland gehäuft. Nach der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem kam es etwa in Berlin zu Demonstrationen, bei denen antisemitische Sprechchöre skandiert und Davidsterne verbrannt wurden. In München wurde eine Gruppe mit Pro-Israel-Transparenten attackiert. Kurz vor Weihnachten sorgte der Fall eines Restaurantbesitzers aus Berlin-Schöneberg für Aufsehen: Der Inhaber des Lokals Feinberg's wurde auf offener Straße antisemitisch beschimpft und bedroht.

Knobloch war von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und von 2005 bis 2013 Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses. Seit 32 Jahren ist sie außerdem die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Startseite
Anzeige