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Energiewende: Bund will Windkraftausbau im Norden drosseln

Die Windparks im Norden produzieren mehr Strom, als genutzt werden kann – weil Trassen Richtung Süden fehlen. Die Regierung will deshalb den Windkraftausbau bremsen.

Die Bundesregierung will offenbar weniger neue Windkraft-Anlagen in Norddeutschland errichten lassen als bislang. Das geht aus einem Entwurf der Bundesnetzagentur hervor, aus dem zunächst die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte. Grund seien Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze. 

In Teilen Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns wurden zuletzt die meisten neuen Windparks errichtet. Dort dürfen künftig nur noch Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von maximal 902 Megawatt jährlich neu gebaut werden. Je nach Größe einzelner Anlagen entspräche das zwischen 120 und 200 Windrädern. 

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Dem Entwurf zufolge wird ganz Mecklenburg-Vorpommern zu einem solchen "Wind-Ausnahmegebiet", ebenso Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Bremerhaven sowie der nördliche Teil Niedersachsens. Insgesamt sollen von 2017 an bundesweit jährlich Windräder mit einer Leistung von 2.500 Megawatt per Ausschreibung vergeben werden. Die Regelung solle bis Ende 2020 gelten. "Unmittelbare Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau oder das Verbraucherpreisniveau sind nicht zu erwarten", heißt es in dem Entwurf weiter. 

An der Börse kam der Bericht jedoch schlecht an: Die Aktien des Windturbinenbauers Nordex gaben zu Handelsbeginn 1,7 Prozent nach.

Langsamer Ausbau der Stromtrassen von Nord nach Süd

Deutschland will bis zum Jahr 2025 einen Ökostromanteil von derzeit 33 Prozent auf 40 bis 45 Prozent erhöhen. Das Hauptproblem der Energiewende sind jedoch fehlende Stromleitungen vom windreichen Norden in die Industriezentren im Süden. Wegen des schleppenden Ausbaus der Trassen kommt der Windstrom aus dem Norden nicht im Süden an.

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Vor allem Windanlagen an Land würden "wegen Engpässen im Übertragungsnetz in steigendem Umfang in Norddeutschland abgeregelt, weil der Strom nicht vor Ort verbraucht und nicht zu den großen Verbrauchszentren im Süden abtransportiert werden kann", zitiert die Deutsche Presse-Agentur aus dem Entwurf der Bundesnetzagentur. Das führe zu Mehrkosten, die mit der Neuregelung vermieden werden sollen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland kritisierte: "Ausgerechnet die kostengünstigste Technologie soll an den besten Standorten gedeckelt werden."

Von 2017 an wird die Förderung von Ökostrom in Deutschland komplett umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks oder Solaranlagen sowie von Biogas-Anlagen künftig für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen pro Kilowattstunde Strom verlangt, erhält dann den Zuschlag.

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