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Gewässerreport: Flüsse und Seen in schlechtem Zustand

Viele Gewässer in Deutschland erfüllen laut einer Untersuchung des BUND die Qualitätsstandards der EU-Staaten nicht. Der Artenrückgang in Flüssen und Seen sei dramatisch.
Mit der Kampagne "Rette unser Wasser" will der BUND künftig für einen besseren Gewässerschutz werben. © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Die meisten Flüsse und Seen in Deutschland sind dem Gewässerreport des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zufolge in einem schlechten Zustand. Insgesamt 92 Prozent der Gewässer seien durch Schadstoffe und Baumaßnahmen belastet, heißt es in einem Bericht. Ursachen für den schlechten Wasserzustand seien unter anderem zu viel Dünger und Pestizide in der Landwirtschaft, der Ausbau und die Begradigung von Flüssen sowie Schadstoffe aus dem Bergbau. Auch Mikroplastik aus Produkten des täglichen Lebens belasten laut BUND zunehmend die Gewässer.

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Begradigte Gewässer würden kaum Lebensraum für Fische wie Lachse, Aale oder Forellen bieten. Durchschnittlich alle zwei Kilometer blockierten ein Wehr oder eine Schleuse ihre Wanderung zu den Laichgewässern. Auch im Wasser lebende Insektenarten, Säugetiere und Amphibien seien von begradigten Gewässern beeinträchtigt. Der Wasserreport beschreibt den Artenrückgang als "dramatisch".

Tote Zonen in der Ostsee

Ein Beispiel ist die Wasserqualität in der Nord- und Ostsee, die dem Bericht zufolge durch Überdüngung gefährdet ist. Kunstdünger und Gülle würden durch die Luft und die einmündenden Flüsse in den Meeren zu massenhaftem Algenwachstum führen. Die Wärme im Sommer würde das noch beschleunigen, sodass an den Ostseestränden vermehrt Blaualgenblüten vorkämen. Einige dieser Blaualgenarten seien für Pflanzen und Tiere im Wasser giftig. Auch bei Menschen können einige Blaualgenarten Hautreizungen und Vergiftungserscheinungen hervorrufen.

Ein weiteres Phänomen sind sogenannte Tote Zonen. Sie entstehen dem Bericht zufolge, wenn abgestorbene Algen zum Boden sinken und dort unter Sauerstoffverbrauch zersetzt werden. Es bilden sich sauerstoffarme oder sauerstofffreie Bereiche mit giftigen Schwefelverbindungen. Nach Angaben des Wasserreports sind bereits 15 Prozent des gesamten Meeresbodens der Ostsee Tote Zonen.

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"Der BUND-Gewässerreport macht klar, dass sich die Politik endlich bewegen muss, damit unser Wasser noch zu retten ist", sagte der Vorsitzende Hubert Weiger. Mit der Kampagne "Rette unser Wasser" will die Organisation für einen besseren Gewässerschutz werben. Ziel sei es auch, ein Aufweichen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu verhindern. Diese schreibt Qualitätsstandards für Seen, Flüsse und das Grundwasser in den EU-Staaten vor. Der überwiegende Teil der Gewässer in Deutschland erfüllt diese Standards derzeit nicht. Der BUND fordert die Politiker in Berlin und Brüssel auf, die Wasserrahmenrichtlinie so zu belassen, wie sie ist, und konsequent umzusetzen.

Regierung erfülle Zusagen nicht

Deutschland habe sich im Jahr 2000 verpflichtet, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und bis 2015, allerspätestens bis 2027, alle Gewässer in einen "guten Zustand" zu bringen, so der BUND. "Dieser Verantwortung wird Deutschland aber nicht gerecht, wie unser Report zeigt", sagt Weiger. Er befürchtet, dass die Regierungsparteien den jetzt im Sommer anstehenden Überprüfungsprozess auf EU-Ebene nutzen werden, um die Umsetzung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie weiter zu verschieben oder gar Standards abzusenken.

Der BUND-Report beurteilt die ökologische Qualität der Gewässer, etwa die biologische Vielfalt. Die Daten aus dem Gewässerreport stammen vom Umweltbundesamt. Diese Faktoren sagen jedoch nichts über die Badequalität von Seen und Flüssen aus. Bei der Überprüfung von Badegewässern geht es im Unterschied primär um Krankheitserreger, die für Menschen gefährlich sein könnten.

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