Was erzählt ein Bühnenbild?

Annette Kurz: Es ist die Landschaft, in der das "Drama der Menschen" auf der Bühne spielt.

Wie kommt es zu der Liebe zu großen Objekten (wie du sie baust)?

AK: Die Natur vergrößert alle menschlichen Gefühle. Ich kann sie aber auf der Bühne nicht imitieren. Es sind jedoch in der Kunst- und Kulturgeschichte Objekte bzw. Orte entstanden, in oder an denen sich auf ähnliche Weise Kräfte, Geschichten, Gefühle vergrößern: Megalithische Gräber, Stufenpyramiden verschiedener Kulturen, Kathedralen usw. Das Monumentale, welches der Natur ähnelt und so viele Emotionen kristallisiert, ist auch in kleinen Objekten zu fnden, wie in einer vorgeschichtlichen Statuette oder den Statuen und Gegenständen im Louvre. Von dem Moment an, wenn das Objekt mit dem Mensch in Berührung kommt, braucht es allerdings eine gewisse Größe oder gewisse Proportionen, damit es ihm standhalten kann.

Welches Bild begleitet dich an deinen Arbeitsort?

AK: Der Dalai Lama auf einem Buch aus dem Requisitenfundus. Jemand hatte ein Kochbuch mit einem Foto des Dalai Lama neu eingebunden. Später hat jemand anderes diesen Einband mit Dispersionsfarbe schwarz angemalt, hat jedoch ein Fenster ausgespart, um den Dalai Lama nicht zu übermalen.

Auf welche eigene Leistung bist du besonders stolz?

AK: Jene, die ich ohne andere nicht hätte realisieren können. Schon früh während meines Studiums in Paris musste ich lernen, leidenschaftlich für meine Ideen einzutreten und andere Menschen auf die Reise durch meinen kreativen Prozess mitzunehmen.

Was magst du überhaupt nicht?

AK: Dinge ohne Geheimnis.



Welche Werte leiten dich?

AK: Ich versuche, aufmerksam zu sein für das, was mich umgibt, und möglichst offen darauf zuzugehen. 

Können uns Dinge glücklicher machen?

AK: Mich machen sie glücklich, wenn sie, wie afrikanische Masken, aufgeladen sind mit Geschehenem. Die Dinge oder die Maske sind nur ein Medium. Je länger sie benutzt werden und je öfter sie geflickt werden, desto wertvoller werden sie. Ich mag die Idee, dass zum Beispiel eine afrikanische Maske, die über mehrere Generationen einen Geist verkörpert hat, irgendwann ersetzt wird durch eine neue. Sie war Trägerin des Geistes, und das bisher Geschehene geht auf die neu geschnitzte Maske über.

Deine Lieblingsfarbe?

AK: Weiß.

Was ist dein Plan für die nächsten Jahre?


AK: Entstandenes in Beziehung zu setzen und so weiterzuentwickeln.


Auszug aus dem Buch SZENISCHE OBJEKTE – OBJETS SCÉNIQUES von Annette Kurz
Herausgegeben von Ute Müller-Tischler, erschienen 2017 bei Theater der Zeit

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