Arbeit ist für die meisten Menschen wichtig für ein zufriedenes Leben - nicht nur, um den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen: Eine Arbeitsstelle zu haben, ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen selbst über die Gestaltung ihres Lebens entscheiden können. Für Menschen mit Behinderung ist das nicht selbstverständlich. Zwar macht die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt kleine Fortschritte – mehr Menschen mit Behinderung fanden im vergangenen Jahr eine Stelle (Vergl. Inklusionsbarometer Arbeit 2017). In ländlichen Regionen sind die Chancen auf Jobs allerdings noch rar gesät – vor allem auf dem ersten Arbeitsmarkt. Doch es gibt sie: innovative Beschäftigungsvorhaben, Integrationsfirmen und Arbeitgeber, die die Vorteile von inklusiven Teams erkannt haben.

Eine direkte Anstellung in der privaten Landwirtschaft ist für Menschen mit einer Behinderung allerdings noch die Ausnahme. Das liegt an den komplizierten gesetzlichen Rahmenbedingungen, die für potentielle Arbeitgeber eine große Hürde darstellen. Um das zu ändern, berät das Netzwerk "alma" im niedersächsischen Verden Landwirte, welche Arbeitsmodelle und finanziellen Fördermöglichkeiten ihnen für die Beschäftigung zur Verfügung stehen. Außerdem qualifizieren die ehrenamtlichen Mitarbeiter von "alma" Menschen mit Behinderung für die Hofarbeit.

Wichtige Treiber für inklusive Arbeit auf dem Land sind Inklusionsunternehmen. Rund 850 gibt es davon bundesweit. Sie bieten sozialversicherungspflichtige und tariflich entlohnte Jobs an und beschäftigen 26.000 Menschen, davon 11.500 schwerbehinderte Frauen und Männer. "Das Besondere an den Inklusionsfirmen ist, dass sie es schaffen, am regulären Markt teilzunehmen und im Wettbewerb mit anderen Unternehmen zu stehen", sagt Claudia Rustige, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen.

Wer Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung einrichtet, kann auf zahlreiche Fördermöglichkeiten zurückgreifen. Dazu gehören Zuschüsse zu den Lohnkosten und finanzielle Hilfen, um Arbeitsplätze an die besonderen Bedürfnisse anzupassen, sowie die Übernahme der Kosten für einen Assistenten. "Oftmals ist aber gerade kleinen Betrieben nicht klar, welche Chancen sich ihnen durch die Beschäftigung von Rollstuhlfahrern, Blinden oder Menschen mit Lernschwierigkeiten bieten", sagt Günter Benning, Inklusionsberater bei der Handwerkskammer Dortmund.

Inklusionsbetriebe, Höfe, Werkstätten, Genossenschaften - der Mix der Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten auf dem Land ist vielfältig: Bislang sind dort Werkstätten oft noch der einzige Anbieter von Jobs und Beschäftigung für Menschen mit einer schweren Behinderung. Das gezahlte Entgelt liegt jedoch weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn auf dem ersten Arbeitsmarkt. Allerdings tragen sie dazu bei, dass auch Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf Anteil am Arbeitsleben haben. Für andere können sie durch ihre gezielte Förderung zum Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt werden – zum Beispiel in einem Integrationsunternehmen. Allerdings schaffte weniger als ein Prozent der rund 300.000 Beschäftigen in Werkstätten im Jahr 2016 diesen Sprung.

Immer mehr Integrationsunternehmen zeigen anderen Arbeitgebern, dass es kein Widerspruch ist, wirtschaftlich erfolgreich und gleichzeitig sozial zu arbeiten. "Sie sind ein Modell der Zukunft. Ihre Zahl wird weiter steigen", sagt Claudia Rustige. "Aber die Rahmenbedingungen werden sicherlich nicht einfacher."

Die Aktion Mensch hat in den vergangenen 10 Jahren circa 400 Integrationsunternehmen mit insgesamt rund 95 Millionen Euro gefördert.


Inklusionsbarometer Arbeit 2017
Inklusion am Arbeitsmarkt macht Fortschritte.

Die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung sinkt 2017 auf rund 170.508 (Vorjahr: 178.809). Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung hat sich ebenfalls verbessert, auf einen Wert von 12,4 (13,4) Prozent. Erstmals seit Erhebung der Studie der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) vor fünf Jahren verkleinert sich auch die Lücke zur Quote von Menschen ohne Beeinträchtigung (6,1 Prozent).
Text: Carmen Molitor

Mehr Informationen zum "Inklusionsbarometer Arbeit 2017".

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