Barbastella barbastellus mag die Kälte. Eigentlich. Doch sacken die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt, dann sucht sich auch die Mopsfledermaus, so genannt wegen ihrer mopsartigen Schnauze, eine warme und sichere Unterkunft. In Höhlen und Felsspalten überwintert dann das zur Familie der Glattnasenfledermäuse gehörende Tier von November bis März. In Deutschland befinden sich von der vier bis sechs Zentimeter großen, schwarzen Fledermaus nur noch Vorkommen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen. Ansonsten gilt die Mopsfledermaus in Deutschland als vom aussterben bedroht und steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten.

Ersatz für natürliche Höhlen

Damit die nachtaktiven Jäger nicht endgültig verschwinden, hat die Deutsche Bahn ihnen an der Strecke Nürnberg-Erfurt im Thüringer Wald neue Unterkünfte geschaffen – als Ersatz für die beim Bau der neuen Strecke verschwundenen natürlichen Höhlen. Von außen sind die neun, aus großquadrigen Kalkblöcken gebauten, mit Kiesmaterial aufgefüllten und anschließend mit kleinerem Kalkgestein überschütteten Höhlen, kaum zu erkennen.

Zugverkehr stört nicht

Innen, in etwa 1,50 Meter Tiefe liegend und sechs bis acht Meter lang, ähneln die Höhlen einem Bergwerksstollen mit unzähligen Klüften, an die sich die Tiere hängen können. Ideale Bedingungen für einen ungestörten Fledermaus-Winterschlaf. Bei der Entwicklung hat die Bahn eng mit lokalen und regionalen Naturschutzbehörden zusammen gearbeitet. Die sind sicher, dass die neuen Quartiere ideal für die wendigen Flieger sind. Sie stören sich auch nicht an den vorbeibrausenden ICEs. Denn genau wie andere Fledermausarten fühlt sich die Mopsfledermaus auch in Kirchtürmen wohl – trotz des dort regelmäßigen Glockengeläuts.