Von Helmut Laschet

Aufrecht und hellwach sitzt Dr. Felix Martin (Name von der Redaktion geändert) in seinem bequemen Sessel und gibt dem Besucher Einblicke in sein langes Leben. Der Finanzkaufmann ist durch die Welt gekommen und hat für den Essener Stahlkonzern Krupp Großinvestitionen im Anlagenbau gemanagt. Erst mit 68 ist er in Pension gegangen.

Im letzten Jahr ist er 100 geworden. Das Alter fordert seinen Tribut. Felix Martin ist schwach auf den Beinen. So gern er täglich in den Garten geht – er braucht ständig Hilfe, eine Begleitung. "Wir können meinen Vater nicht mehr allein lassen. Er bekommt sonst panische Angst, bei der kleinsten Bewegung zu stürzen, und das wäre, wenn er allein wäre, eine Katastrophe", berichtet seine Tochter, die in der Nähe als Hausärztin in Berlin-Zehlendorf arbeitet.

Sorgfältige Personalauswahl und hundertprozentige Rechtssicherheit

Als ihr Vater gebrechlich wurde, engagierte die Familie zunächst stundenweise Betreuungskräfte auf Zuruf. Der hochbetagte Herr ist nicht im strengen Sinne pflegebedürftig, aber er braucht die Anwesenheit eines anderen Menschen, der im Notfall sofort da ist. Kein ambulanter Pflegedienst erbringt solche Leistungen.

Als die Betreuungskraft schließlich kündigt, erhält die Tochter vom Verband Pflegehilfe die Adresse der Promedica Gruppe, einem Anbieter, der professionell den Einsatz osteuropäischer Betreuungskräfte für eine Rundum-Betreuung in Deutschland und Großbritannien organisiert. So kommt Marianna Bernatowicz (Name von der Redaktion geändert) in die Familie, sie ist nun rund um die Uhr für Felix Martin da, ein beruhigendes Gefühl für die Familie und ein Kontinuum für den alten Herrn. "Marianna ist ein ganz lieber Mensch", lobt er die Mittdreißigerin.

Wie Alltagsbetreuende zu Promedica kommen

Von Beruf ist sie Lehrerin. Doch Akademiker sind in Polen karg bezahlt, das Monatsgehalt liegt bei 500 bis 600 Euro. Vor etlichen Jahren sei ihr Vater schwer krank und dann pflegebedürftig geworden, sie übernahm die Versorgung und gab ihren Beruf auf. Als ihr Vater starb, waren mehr als fünf Jahre vergangen, und sie hätte sich mit einem Examen zertifizieren lassen müssen. Da sei Promedica eine gute Alternative gewesen.

Alltagsbetreuende unterstützen fachgerecht bei Ernährung, Körperhygiene und Mobilität sowie als Hilfe im Haushalt und bei Alltagserledigungen. © Promedica

Dr. Martin ist kein Sonderfall in Deutschland. Schätzungsweise rund 200.000 Familien in Deutschland nutzen die Dienste polnischer oder anderer osteuropäischer Betreuungskräfte für ihre betagten Eltern. Deutsche Arbeitskräfte sind nicht nur nicht bezahlbar – es gibt sie fast gar nicht. Das Ergebnis ist ein grauer, unreglementierter internationaler Dienstleistungsmarkt, in dem nur wenig Transparenz herrscht.

Eigene Personalgewinnung

Eines der wenigen Unternehmen, die sich in die Karten sehen lassen, ist Promedica24 mit Hauptsitz in Warschau. Hier treffe ich Beata, Manja und Krystyna. Alle drei arbeiten seit mehreren Jahren für das Unternehmen.

Beata stammt aus Warschau, ist geschieden und war als Kosmetikerin und Masseurin tätig. Sie betreut eine 83-jährige demenzkranke Frau, die im Kreis ihrer Familie lebt und aufgrund ihrer Erkrankung der ständigen Betreuung bedarf. Deshalb seien nur zwei Stunden Freizeit am Tag möglich, aber die Familie sei sehr sympathisch, und sie fühle sich da gut integriert.

Manja kommt aus einer Kleinstadt in der Nähe von Warschau. Die gelernte Ökonomin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Wie ihre Kollegin Marianna, die in Berlin Felix Martin betreut, hat sie ihre Eltern bis zum Schluss gepflegt und ist dann vor drei Jahren im Internet auf die Promedica Gruppe aufmerksam geworden. Zurzeit betreut sie Herbert und seine Frau. Der Mann sei stark übergewichtig, es sei eine sehr schwere Arbeit. Hilfreich sei aber die Unterstützung von professionellen ambulanten Pflegediensten und die Koordination durch die 120 Partner der Promedica Gruppe.

Durch zertifizierte Spezialschulungen ist für eine angemessene Betreuung und Versorgung auch bei starken Einschränkungen gesorgt. © Promedica

Von allen dreien ist Krystyna die schillerndste Person: Sie ist gelernte Geologin, hat als Journalistin bei "Rzeczpospolita" gearbeitet und war 14 Jahre in der Betreuung behinderter Kinder tätig. Seit sechs Jahren arbeitet sie für Promedica und schätzt daran, dass sie viel durch die Welt kommt. Sie hat eine Deutschlandkarte mitgebracht und darauf alle Einsatzorte in Norddeutschland, Baden-Württemberg und Bayern dokumentiert. Mit der Trennung von ihrer Familie hat sie keine Probleme, die Distanz tue der Beziehung eher gut.

Die drei Frauen sind typische Beispiele für die Betreuungskräfte, die in Deutschland Betreuungsdienste leisten. Viele von ihnen haben ihre Eltern gepflegt und bringen Erfahrung in der Versorgung alter, gebrechlicher Menschen mit.