Es klingt wie ein Krimi, wenn die Orientalistin Claudia Ott erz��hlt, wie sie vor zwei Jahren im Berliner Gropius-Bau durch die Ausstellung "Sch��tze des Aga Khan Museum" ging und ihr pl��tzlich eine unscheinbare Handschrift mit dem Titel "101 Nacht" ins Auge fiel. "Ich war sofort elektrisiert", schildert sie, und dass sie nicht nur im richtigen Moment am richtigen Ort war, sondern auch den richtigen Riecher hatte, stellte sich schnell heraus. Ihre Entdeckung stammte aus dem Jahr 1234, ist damit viel ��lter als alle bisherigen ��berlieferungen der Geschichtensammlung "101 Nacht" und ruhte seitdem unentdeckt in den Archiven der Sammlung des Aga Khan, versteckt in einem Buch, das sich eigentlich mit Geografie besch��ftigt. Die Arabistin lie�� sich daraufhin sofort von der Erlanger Universit��t beurlauben und begann noch am selben Tag, die 800 Jahre alte Handschrift zu ��bersetzen. "101 Nacht" ist ein Parallelwerk der prominenten Geschichtensammlung "1001 Nacht", die uns sofort an Aladin und die Wunderlampe oder Ali Baba und die 40 R��uber denken l��sst. Aber wer glaubt, mit diesem neuen Buch nur eine Abwandlung von "1001 Nacht" vor sich zu haben, irrt gewaltig, denn das Werk ist weder eine Vorstufe noch eine Kurzfassung der prominenten gro��en Schwester. Lediglich die Rahmenhandlung um die clevere Erz��hlerin Schahrasad, die den K��nig jede Nacht mit einer Geschichte unterh��lt und ihm im spannendsten Moment die Fortsetzung f��r den n��chsten Abend in Aussicht stellt, so dass sie seiner Todesdrohung entkommt und ihr Leben rettet, ist ��hnlich. Die einzelnen Geschichten ��berschneiden sich inhaltlich nur ganz geringf��gig, "101 Nacht" ist ein eigenst��ndiges Meisterwerk.