Bevor sie Botschafterin der Vereinten Nationen und Außenministerin der USA wurde, war Madeleine Albright schon viel in der Welt herumgekommen. Die Stationen ihrer Kindheit ergeben ein verwirrendes Hin- und Her: 1937 wird sie als Marie Jana Korbelová, genannt Madlenka, in Prag geboren, ihr Vater ist ein angesehener Diplomat. 1938 muss die Familie Korbel mit der dreijährigen Madlenka vor dem Einmarsch der Wehrmacht nach England fliehen, wo der Vater für die tschechoslowakische Exilregierung arbeitet. Die schweren Bombenangriffe, die das nationalsozialistische Regime Nacht für Nacht auf London fliegen lässt, gehören zu den ersten Erinnerungen Madeleine Albrights. Doch die Nächte im Luftschutzkeller empfindet sie nicht als beängstigend, sondern als willkommene Abwechslung und beobachtet ihre Umgebung mit kindlichem Interesse: "Die Bewohner des Princes House bildeten einen Völkerbund en miniature: Briten, Polen, Spanier, Deutsche, Kanadier und andere tschechische Familien." 1945 kehrt die Familie Korbel voller Zuversicht nach Prag zurück, doch unter dem neuen kommunistischen Regime, das sich dort bald etabliert und alle Hoffnungen auf einen demokratischen Neuanfang in der Tschechoslowakei zunichtemacht, will sie nicht leben. Der Vater geht als Diplomat mit seiner Familie nach Belgrad, kurze Zeit später wird die zehnjährige Madeleine auf ein Schweizer Internat geschickt. 1948 muss die Familie erneut fliehen und wagt den endgültigen Bruch mit der tschechoslowakischen Heimat: Sie emigriert in die USA. "Damit begannen die weiteren Abenteuer meiner Familie – in dem Land, das Antonín Dvořák in seiner berühmten Symphonie die Neue Welt nannte", wie Albright diesen Schritt beschreibt.