Wonach streben wir? Hat das Leben einen Sinn? Was ist gerecht? Sind wir frei in unseren Entscheidungen? Dürfen wir Tiere essen? Soll ich an Gott glauben? Und was war zuerst: Huhn oder Ei? Über solche Dinge denken Philosophen seit über zweitausend Jahren nach, manchmal finden sie Antworten, manchmal auch nicht. Aber wie arbeiten Philosophen? Yves Bossart ist selbst einer, und er beschreibt seine Arbeit folgendermaßen: "Die Philosophen lehnen sich zurück, denken sorgfältig nach, hinterfragen alles, beschreiben genau, argumentieren scharf und behalten in Diskussionen den Überblick. Eines ihrer Wundermittel dabei sind Gedankenexperimente." In Bossarts neuem Buch "Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern" stehen solche Gedankenexperimente im Mittelpunkt. Dabei werden bestimmte Situationen, die real aber auch völlig surreal sein können, gedanklich durchgespielt. So können neue Ideen entstehen, festgefahrene Ansichten aufgelockert oder andere Dimensionen begreiflich gemacht werden. Hier ein Beispiel, das sich mit der Existenz Gottes beschäftigt: "Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar behauptet, zwischen der Erde und dem Planeten Mars kreise eine Teekanne um die Sonne." Das Problem ist: Niemand hat diese Teekanne je gesehen, aber es kann auch niemand beweisen, dass es sie nicht gibt. Darf man glauben, was nicht widerlegt ist? Wer muss den Beweis antreten, der Gläubige oder der Skeptiker? Der britische Philosoph Bertrand Russell wollte mit diesem Gedankenspiel deutlich machen, dass die Religionen in der Beweispflicht sind – andernfalls könne man getrost von der Nicht-Existenz Gottes ausgehen.