Mensch versus Natur

T. C. Boyle ist der Punk unter den Autoren. Wer ihn zum ersten Mal sieht, hält ihn vielleicht für einen in die Jahre gekommenen Rockmusiker, aber nicht für einen Literaturprofessor, der täglich diszipliniert am Schreibtisch sitzt und im Wechsel einen Roman und eine Kurzgeschichtensammlung pro Jahr verfasst.
In seinem dreizehnten Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist" geht es um Ökosysteme, die aus dem Gleichgewicht geraten sind und die der Mensch wieder herstellen sollte – oder auch nicht. Hat die Biologin Alma Boyd Takesue Recht, die im Auftrag des Staates alle Ratten und Wildschweine auf den Kanalinseln vor Kalifornien ausrottet, weil sie dort ursprünglich nicht angesiedelt waren und das Ökosystem zerstören? Darf man diese Tiere vergiften, um vom Aussterben bedrohte Arten wie seltene Vögel und Graufüchse zu erhalten? Oder sind alle Tiere gleich viel wert und müssen geschützt werden, wie es ihr Kontrahent, der Umweltschützer LaJoy, sieht?

Um diese Frage hat Boyle einen fesselnden, apokalyptischen Roman gewoben, der die Schicksale dreier Generationen verknüpft. Und wie immer schafft es der weltberühmte Schriftsteller, dem 1982 mit seinem ersten Roman "Wassermusik" der internationale Durchbruch gelang, faszinierende Figuren zu erschaffen.